Mehr als 100 Wirtschaftswissenschaftler haben sich mit einem Aufruf an die Bundesregierung gewendet. Sie warnten davor, beim Mindestlohn einen falschen Schritt zu gehen, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der das unveröffentlichte Schreiben vorab vorliegt.

Die Ökonomen sehen demnach den im Koalitionsvertrag vereinbarten Mindestlohn als ungenügend an. "Die theoretische und empirische Literatur zu Mindestlöhnen zeigt, dass moderate Mindestlöhne unangemessene Marktmacht von Arbeitgebern beschränken können, ohne dass in großem Umfang Arbeitsplätze vernichtet werden", schreiben die Wissenschaftler. Aber zu hohe Mindestlöhne könnten Arbeitsplätze vernichten, heißt es in dem Aufruf.

"Wir empfehlen der deutschen Politik, die Lehren aus dem erfolgreichen britischen Modell zu ziehen", schreiben die Wissenschaftler. In Großbritannien existiere seit 1998 die sogenannte Low Pay Comission, die einen moderaten Mindestlohn vorgeschlagen habe. Die Kommission habe viel Spielraum gehabt. Der Mindestlohn habe sich flexibel an die wirtschaftlichen Umstände angepasst.

Der Aufruf ist laut FAZ bisher unterzeichnet worden vom Vorsitzenden des deutschen Ökonomen-Verbands, des Vereins für Socialpolitik, von Michael Burda (Humboldt-Universität), vom früheren Vorsitzenden des Sachverständigenrats Wolfgang Wiegard (Universität Regensburg), vom  Freiburger Arbeitsmarktökonomen Bernd Fitzenberger sowie den Ökonomen Christian Merkl, Regina Riphahn und Claus Schnabel von der Universität Erlangen-Nürnberg. Bis Mittwochnachmittag hätten sich mehr als 130 Wirtschaftswissenschaftler dem Aufruf angeschlossen.