Wenn es auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos um die Benachteiligten und Verlierer einer globalisierten Ökonomie geht, und es geht überraschend oft um sie, dann teilt sich die Welt auf besondere Weise. Unbestreitbar wurden große Erfolge im Kampf gegen die absolute Armut in Entwicklungs- und Schwellenländern erzielt. Bill Gates, Microsoft-Gründer und weltgrößter Stifter, berichtet in Davos, dass die Sterberate von Kindern unter fünf Jahren auf fünf Prozent gesunken ist und dass sie bis 2020 sogar auf 1,5 Prozent reduziert werden könnte.

Auch der Anteil und die Zahl der Menschen, die von weniger als einem Dollar am Tag leben müssen, geht seit Längerem zurück, und das nicht nur im dauerboomenden China. Aus mehr als einer Milliarde ärmster Menschen sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten Konsumenten geworden, die sich etwas mehr leisten können als nur die tägliche Handvoll Nahrung.

In der Mitte kommt nichts mehr an

Dem Erfolg steht aber ein anderes Phänomen entgegen, das in Davos sehr viel Aufmerksamkeit erfuhr: Der Wohlstand der Arbeitnehmer im Westen steigt nicht mehr, die Ungleichheit zwischen denen an der Spitze und denen in der Mitte erreicht historische Höhen.

Das hat dazu geführt, dass der Anteil der Arbeit an der gesamten Wertschöpfung auf unter 60 Prozent gefallen ist – in den achtziger Jahren waren es noch fast 65 Prozent. In den USA hat sich gleichzeitig der Anteil der reichsten ein Prozent am Sozialprodukt auf 22 Prozent mehr als verdoppelt. Die hartnäckige und hohe Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern ist demnach nicht nur eine kurzfristige Folge der Krise, sondern ein dauerhaftes Problem.

Aber woran liegt es, dass in den reichen Ländern bei Weitem nicht genug auskömmliche Jobs entstehen? Am technologischen Wandel, lautet die Antwort aus Davos. Moderne, hoch flexible Maschinen und Roboter ersetzen Produktionsjobs, Computer verrichten Dienstleistungen wie beispielsweise Übersetzungen, autonom fahrende Autos wie die von Google, bedrohen den Job des Fahrers. Sowohl in unteren wie in oberen Lohngruppen werden Menschen durch Maschinen und Computer ersetzt, und neue Arbeit entsteht in Zeiten großen technologischen Wandels bekanntlich langsamer, als alte verschwindet.