Mitarbeiter des Logistikzentrums von Amazon in Pforzheim Jan-Philipp Strobel/dpa

In der Belegschaft des Internetversandhändlers Amazon formiert sich Protest gegen die Gewerkschaft ver.di. 1.081 Mitarbeiter distanzierten sich mit einer Unterschriftenaktion von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen von ver.di, berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung. Die Mitarbeiter beklagen in dem Aufruf von Ende Dezember, dass das von der Gewerkschaft erweckte "negative öffentliche Bild" sie "bis ins Privatleben" verfolge. Die ver.di-Darstellung der Situation im Unternehmen entspreche "nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben". Man wolle "nicht weiter tatenlos zusehen, wie unser Ansehen und damit unsere Existenz in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt werden".

An den Standorten Bad Hersfeld und Leipzig hatten Amazon-Mitarbeiter vor Weihnachten gestreikt. Am letzten Streiktag vor dem Fest sollen sich 650 beteiligt haben. Ver.di will erreichen, dass Amazon nach den Bedingungen des Einzelhandels bezahlt. Das Unternehmen orientiert sich an den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche. Am größten deutschen Amazon-Standort Bad Hersfeld arbeiten etwa 3.300 Menschen, in Leipzig sind es 2.000 Mitarbeiter.

Ein Sprecher der Gewerkschaft sagte über den auch im Logistikblog des Unternehmens veröffentlichten Aufruf, es komme vor, dass nicht immer alle Beschäftigten einverstanden seien mit dem Vorgehen der Gewerkschaft. Er nannte die Aktion der Mitarbeiter bedenklich. Einige der Beschäftigten kämen offenbar gar nicht mehr auf die Idee, dass man einen dauerhaften Arbeitsplatz oberhalb eines doch eher geringen Verdienstes erreichen könne. Er nehme die Sorgen der Unterzeichner zur Kenntnis.

Ein Amazon-Sprecher bekräftigte, das Unternehmen plane auch für das neue Jahr nicht, die Einstufung der Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren zu verändern. Die Beschäftigten erhielten einen guten Lohn.