Der Windpark in Langenzenn könnte ein Erfolg werden – wenn da nicht die CSU wäre. Fünf Windräder, jedes von ihnen knapp 200 Meter hoch: Schon bald könnten sie in der fränkischen Kommune umweltfreundlichen Ökostrom produzieren. Auch die Anwohner waren dafür. Anstatt zu protestieren, zeichneten sie Anteile, schließlich verspricht der Bürgerwindpark lukrative Renditen. 700.000 Euro haben sie und der Entwickler bereits investiert. Die Fundamente sind gegossen, die Anfahrtswege gebaut.

Das Problem: Genau eine Unterschrift fehlt, um den Windpark endgültig zu genehmigen. Seit Monaten verweigert die zuständige regionale Genehmigungsbehörde ihr Okay – und das wegen einer Ansage von oben: Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) hat die Planungsbehörden angewiesen, de facto vorerst keine weiteren Windparks in Bayern zu genehmigen.

Harry Scheuenstuhl macht das wütend. "Wenn´s mi ehrlich froagen: Des is a Sauerei", sagt er. Bis Herbst 2013 war Scheuenstuhl Bürgermeister im benachbarten Wilhermsdorf, bevor er für die SPD in den bayrischen Landtag einzog. Auch er unterstützt den Bau des Windparks. In den vergangenen Jahren habe es massiven Druck aus der Staatskanzlei auf die Kommunen gegeben, die Windkraft auszubauen. Jetzt aber heiße es plötzlich "Stopp". "Wegen des jüngsten Söder-Erlasses sind nun auch andere Windpark-Investoren verunsichert", sagt Scheuenstuhl.    

Seehofer will Abstandsregelungen verschärfen

Gerade einmal 27 Windräder gingen in Bayern im ersten Halbjahr 2013 neu ans Netz – im Bundesländervergleich landet das Bundesland damit auf einem der hintersten Plätze. Im Sommer vergangenen Jahres erfand Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zudem die "10H"-Regelung: Der Abstand zu Häusern muss demnach mindestens zehn Mal so groß sein wie das Windrad hoch ist. Bei neuen Anlagen wie in Langenzenn würde das einem Mindestabstand von zwei Kilometern entsprechen – eine Verdoppelung zur bisherigen Regelung. Noch ist die Regel in nicht in Kraft. Kommt sie, fürchtet Joachim Keuerleber vom Landesverband Windenergie, dass "es keine neuen Windräder mehr in  Bayern geben" werde. 

Was in Bayern zurzeit passiert, enttäuscht die Anhänger der Energiewende. Denn das Bundesland hat eigentlich ambitionierte Ziele für den Ökostromausbau – zumindest auf dem Papier. Nach dem Atomunglück von Fukushima konnte es Ministerpräsident Horst Seehofer gar nicht schnell genug gehen. Das bayrische Energiekonzept aus dem Jahr 2011  – es ist noch immer aktuell – sieht etwa vor, dass Bayern in nur zehn Jahren seinen Ökostromanteil auf 50 Prozent steigert. Das entspricht im Vergleich zum Jahr 2010 einer Verdoppelung des Anteils.