Es ist eine verrückte Situation: Energiekommissar Günther Oettinger und seine Klimaschutz-Kollegin Connie Heedegard haben das Energie- und Klimaschutzpaket 2030 der EU präsentiert. Es soll zeigen, wie sich die EU, die eine führende Rolle im weltweiten Klimaschutz einnehmen will, die künftige Energiepolitik vorstellt. 

Ein zentrales Ziel ist die Minderung der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2030. Die Reduzierung der Emissionen um 40 Prozent sei "die kosteneffizienteste Zielvorgabe für die EU und trägt unserer weltweiten Verantwortung Rechnung", sagte Heedegard.

Das Problem ist nur: Das wichtigste Instrument der EU, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, ist der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten – und der liegt seit Monaten brach, weil viel zu viele Zertifikate auf dem Markt sind. Der Preis für eine Tonne Co2 liegt bei gerade einmal fünf Euro – kein Anreiz für Unternehmen, in mehr Energieeffizienz oder erneuerbare Energien zu investieren.

Die EU-Kommission will den Handel zwar reformieren, allerdings erst ab 2021. Dann soll eine sogenannte Marktstabilitätsreserve aufgebaut werden, die Zertifikate vom Markt nimmt.

Gerade einmal neun Jahre bleiben also, um die Menge einzudampfen. Im Jahr 2020 landen zudem noch 900 Millionen Tonnen CO2-Zertifikate zusätzlich wieder auf dem Markt. Sie waren in diesem Jahr kurzfristig aus dem System genommen worden.

Wie die ehrgeizigen Ziele erreicht werden sollen, bleibt ein Geheimnis. Die neue Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) drängte auch deshalb am Mittwoch darauf, dass eine Reform des Emissionshandels "deutlich vor 2021" kommen müsse.

Und es gibt weitere Rätsel: Schaut man sich die CO2-Ziele genauer an, dann wird klar, wie anstrengend es für spätere Generationen wird, noch Klimaschutz zu betreiben. 40 Jahre Zeit nehmen sich Europas Staaten, um den CO2-Ausstoß um 40 Prozent zu senken (1990 im Vergleich zu 2030). Zugleich aber hält die EU-Kommission ausdrücklich an den langfristigen Zielen fest, bis zum Jahr 2050 die Emissionen um mindestens 80 Prozent im Vergleich zu 1990 zu mindern. Für diesen gewaltigen Sprung (von 40 auf 80 Prozent) bleiben also gerade einmal zusätzlich 20 Jahre. Oder anders ausgedrückt: Die große Klimaschutzarbeit drückt Europa seinen Kindern auf.