Euro-Skulptur am Frankfurter Flughafen wird abgebaut. (Archivbild) © dpa

Die Euro-Krise beschäftigt uns nun schon seit fast sieben Jahren. Sie begann im August 2007 mit dem temporären Zusammenbruch des Interbankenmarktes und erreichte ihren Höhepunkt im September 2008, als die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging. Derzeit wird oft argumentiert, das Schlimmste sei nun vorbei. Irland verlässt den Rettungsschirm, die Leistungsbilanzdefizite sind verschwunden, Banken und Versicherungen kaufen wieder Staatsanleihen der südlichen Länder, und selbst Griechenland will wieder wachsen. Können wir die Euro-Krise damit abhaken und wieder normalen Zeiten entgegensehen?

Schön wäre es. Jubelmeldungen zur angeblichen Überwindung der Krise hat es auch in den vergangenen drei Jahren jeweils zur Jahreswende gegeben. Aber die Realität war dann doch immer ernüchternd. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte dazu reuevoll erklärt, er habe die Prognosen geschönt, um so, gemäß seiner Finanzierungsregeln, die Fortsetzung der Rettungsaktionen zu ermöglichen.

Halten wir uns deshalb lieber an die Fakten statt an Prognosen. Danach sind die Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer zwar verschwunden, aber nicht weil die Exporte irgendeine besondere Dynamik zeigen, sondern weil die Importe eingebrochen sind. Die Exporte sind nach der Weltrezession von 2009 wie überall auf der Welt wieder gestiegen, doch mit Ausnahme von Irland haben sie ihr Vorkrisen-Trendniveau noch nicht wieder erreicht. Demgegenüber sind die Importe überall abgestürzt, weil die Wirtschaft in den Krisenländern kollabierte. Das ist der Grund für die verbesserten Daten. Arbeitslose kaufen nun mal keine ausländischen Autos und Flachbildfernseher. Sollten die Krisenländer wieder in Fahrt kommen, so würden auch die Leistungsbilanzdefizite wieder steigen.

Leichtes Wachstum im Süden

Auch ein Blick auf die Industrieproduktion verheißt nichts Gutes. Wieder ist Irland die löbliche Ausnahme, aber in den anderen Krisenstaaten ist man vom Vorkrisenniveau meilenweit entfernt. Italien hatte nach dem Absturz 2009 einen kurzen Aufschwung bis 2010, doch seit 2011 geht es wieder bergab. Die Industrie liegt am Boden. In Griechenland und Spanien liegt die Industrieproduktion heute sogar noch deutlich niedriger als auf dem tiefsten Punkt der Weltrezession. Allerdings gab es zuletzt in Spanien Zeichen für eine Bodenbildung.

Positives kann man aus den letzten Wachstumsraten ableiten. Im dritten Quartal 2013 stieg in Spanien das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal erstmals leicht, nachdem es zuvor neun Quartale in Folge geschrumpft war. In Italien gab es nach acht Quartalen Rückgang zwar keinen Anstieg, aber zumindest eine Stagnation, in Irland und in Portugal wuchs die Wirtschaftsleistung sogar zum zweiten Mal in Folge, während Griechenland weiter schrumpft.