Auch RWE-Chef Peter Terium bekommt Kritik ab. RWE, ein Kohlekonzern, klagt seit Langem über den Atomausstieg und das große Ökostromangebot im Netz. Kein Wunder: Der Anstieg des grünen Stroms führt dazu, dass RWE mit seinen Kraftwerken kaum noch Geld verdienen kann. Der Gewinn des hoch verschuldeten Konzerns schrumpft Jahr für Jahr, immer wieder muss Terium neue Sparkurse verkünden. Vor allem der Bau neuer und benötigter effizienter Gaskraftwerke lohnt sich nicht, stattdessen sind vor allem alte Kohlekraftwerke am Netz – und verhageln die deutsche Klimabilanz. "Wir alle stecken in der schlimmsten Strukturkrise seit es überhaupt Energieversorgung gibt", klagt Terium – und bringt neue Subventionen ins Spiel. Am liebsten würde er Geld nur dafür erhalten, dass die Stromkonzerne alte Kohlekraftwerke und neue Gaskraftwerke für den Notfall bereithalten, die Fachwelt nennt das Kapazitätsmärkte.  

Gabriels Haltung in dieser Frage ist eindeutig: nein. Man werde sicherlich nicht sämtliche konventionelle Kraftwerke über ein solches Modell fördern. "Das ist mir, ehrlich gesagt, ein bisschen teuer", sagt er. "Das werden wir nicht tun." Zudem müsse sich die Branche gedulden. Erst Ökostromreform, dann ab Mitte des Jahres Kapazitätsmärkte: Das ist der Gabrielsche Fahrplan.

Auch für die Kohlegegner und Klimaschützer erteilt Gabriel eine Absage. Er nehme zwar das Thema Klimawandel ernst. Aber die Hoffnung, dass Deutschland nach dem Atomausstieg nun auch möglichst schnell einen Kohleausstieg hinlegt, macht der Ex-Umweltminister zunichte. "Unverantwortlich" nennt er es, gleichzeitig aus Kohle und Atom auszusteigen. Zu fragil sei die Netzstabilität, Blackouts will Gabriel auf keinen Fall riskieren. Denn sie könnten sein Profilierungsprojekt Energiewende erst recht diskreditieren.  

Das große Poltern hat begonnen. Es ist auch eine Art, sich Respekt zu schaffen, gerade zu Beginn der neuen Amtszeit, wenn ein Wirtschaftsminister von allen Seiten bedrängt wird, ob von der erneuerbaren oder der klassischen Energiewirtschaft.

An diesem Mittwoch wird Gabriel gleich weitermachen können. Dann wird die EU-Kommission ihr Klima- und Energiepaket für das Jahr 2030 vorstellen und möglicherweise erstmals kein verpflichtendes Ökostromziel ab dem Jahr 2030 vorschreiben. Das stößt auf Widerstand in Deutschland, immerhin beschäftigt die Ökostrombranche bereits 300.000 Menschen. Ein eigenes Ökostromziel würde der Branche Planungssicherheit geben. Er hoffe, dass sich die Bundesregierung bei EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso durchsetze, sagt Gabriel.