Einmal hat sich Hans-Olaf Henkel mindestens geirrt. Im Sommer 1999 – er war noch Präsident des Industrieverbandes BDI – sagte Henkel in einem Interview: "Ende 2000 gebe ich den Posten ab, danach denken die Leute bei dem Namen Henkel nur noch an Waschmittel." Von wegen. Richtig ruhig wurde es um Hans-Olaf Henkel nie. Auch nachdem er das BDI-Spitzenamt nach sechs Jahren an seinen Nachfolger Michael Rogowski abgegeben hatte, verschwand er nicht von der Bildfläche.

Nun ist Henkel in die AfD eingetreten, am Samstag dürfte er auf dem Bundesparteitag der Euro-kritischen Partei in Aschaffenburg zu einem der Kandidaten für die Europawahl gekürt werden. Einen vorderen Listenplatz hätte er gern, sagte Henkel vorab. Und wie es derzeit aussieht, wird er den auch bekommen. Spitzenkandidat soll aber Parteichef Bernd Lucke werden.

Um deutliche Worte und selbstbewusstes Auftreten, von Kritikern oft als Arroganz kritisiert, war Henkel nie verlegen. Den damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) bezeichnete er schon mal als "Hofnarren" der Regierung Kohl. Er wetterte gegen den "lächerlichen" Ladenschluss und im vergangenen Jahr nannte er den langjährigen Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, einen "Euro-Lügner".

"Man muss etwas auf den Punkt bringen"

Sein provokantes Auftreten stieß in Henkels Amtszeit als BDI-Präsident vielen Mitgliedern des Verbandes vor allem aus der Großindustrie auf, die sich gern weniger Poltern und mehr Diplomatie gewünscht hätten. Seine verbalen Ausbrüche gefährdeten 1998 sogar zeitweise seine Wiederwahl. Henkel verteidigte sich damit, dass man mit tiefschürfenden volkswirtschaftlichen Einlassungen nicht in die großen Massenmedien komme: "Man muss etwas auf den Punkt bringen, holzschnittartig, sodass man es versteht."

Genau das aber dürfte der AfD-Führung an Henkel gefallen. Schließlich war der 73-Jährige all die Jahre kein Freund von Parteibüchern, auch wenn ihm als Manager die FDP durchaus nahe stand. Doch in der Euro-Krise enttäuschten ihn die Freidemokraten, weil sie die in seinen Augen falschen und ökonomisch schädlichen Rettungsmaßnahmen mittrugen.

Letzte Hoffnung setzte Henkel in die Euro-kritischen Liberalen um Frank Schäffler. Auf Vorträgen appellierte er 2011 sogar an seine Zuhörer, der FDP beizutreten, um in dem von Schäffler initiierten Mitgliederentscheid gegen weitere Euro-Rettungshilfen zu stimmen. Er selbst vollzog diesen Schritt nicht, unterstützte aber Schäfflers Vorhaben. Als es Ende 2011 scheiterte, wandte sich Henkel endgültig von der FDP ab.

Dass sich Henkel auch vom "Einheits-Euro" abgewandt hat, wie er die Währung nennt, erscheint wie eine 180-Grad-Drehung. Dass er einst überzeugter Anhänger des Euro war, nennt er heute die "größte Fehleinschätzung meiner beruflichen Laufbahn". Allerdings: Ganz unkritisch stand er dem Projekt Währungsunion auch Mitte der neunziger Jahre nicht gegenüber. 

Schon damals betonte er, die Stabilitätskriterien des Maastricht-Vertrags müssten strikt eingehalten werden; er warnte davor, Länder nach politischer Opportunität in den Euro-Raum aufzunehmen: "Nur eine Währungsunion zwischen Ländern, die sich im wirtschaftlichen und stabilitätspolitischen Gleichlauf befinden, macht Sinn." 2000 gehörte Henkel zu denen, die vor einer Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone warnten.