Der britische Finanzminister George Osborne © Dan Kitwood/Getty Images

Großbritanniens Finanzminister George Osborne hat die Europäische Union eindringlich dazu aufgerufen, das Reformtempo zu steigern – andernfalls könnte sich Großbritannien gezwungen sehen, die EU zu verlassen. Dies sagte Osborne auf einer Veranstaltung zweier euro-skeptischer Institute.

"Die Finanzkrise hat dramatisch die Verschiebungen der tektonischen Platten in der Weltwirtschaft beschleunigt", sagte Osborne. Europa stehe für sieben Prozent der Weltbevölkerung, 25 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und 50 Prozent der weltweiten Sozialleistungen. "So kann es nicht weitergehen", sagte Osborne. So müssten etwa die Ausgaben für Sozialleistungen in ganz Europa sinken, um die Wettbewerbsfähigkeit der Union gegenüber aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien zu erhöhen.

Die EU müsse nach dem Willen Osbornes auch mehr für Länder tun, die nicht Teil der Gemeinschaftswährung sind. "Es ist im Interesse von niemandem, wenn Großbritannien vor die Frage gestellt würde, dem Euro beizutreten oder die EU zu verlassen", sagte Osborne.

EU-Referendum kommt 2017

Großbritannien will nach erklärtem Willen der Regierung von Premierminister David Cameron seine Beziehung zu Brüssel neu verhandeln. Die Ergebnisse sollen im Jahr 2017 dem britischen Volk in einem Referendum zur Abstimmung gestellt werden.

Innerhalb der EU wird die britische Haltung extrem skeptisch gesehen. Viele Mitgliedsstaaten halten der Regierung in London vor, nach außen zwar Reformen zu fordern, bei den konkreten Verhandlungen dann aber als Bremser aufzutreten. So hatte Cameron etwa die britische Teilnahme am europäischen Fiskalpakt in einem spektakulären Auftritt verweigert.

Auch bei den von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf europäischer Bühne vorangetriebenen Reformverträgen, mit denen sich einzelne Staaten gegenüber der EU zu bindenden Maßnahmen etwa bei der Bildung oder im Sozialsystem verpflichten sollen, gilt Großbritannien als einer von mehreren Bremsern.