Was macht Philipp Rösler, der frühere FDP-Chef? Er ist "Außenminister" geworden – nicht der Bundesrepublik, sondern einer etwas kleineren Weltmacht: des Weltwirtschaftsforums in Davos. Ein Unterschied fällt schon beim Gespräch in einem winzigen Konferenzzimmer in der riesigen Kaverne des Kongresszentrums von Davos auf. Die lockeren Gespräche, die man in Berlin auf einem Stehempfang oder bei einem der vielen Hintergrundtreffen führen konnte, sind einem strengeren Reglement gewichen. Mit dabei sind zwei Kommunikationsberater, die aufmerksam zuhören, auch gelegentlich das richtige Stichwort einwerfen.

Offiziell beginnt Röslers neuer Job als Verbindungsmann zu Regierungen und als Direktor für strategische Fragen erst am 1. Februar. Aber beim WEF 2014 steht er schon voll im Geschirr. Was genau macht ein Chefstratege?

Er organisiert zum Beispiel regionale Fora, wo das WEF noch nicht präsent ist. Neuerdings in Lateinamerika, Afrika und in Asien. Worum geht es? Zum Beispiel um Gesundheitspolitik. Was kann das WEF besser als die Dutzenden internationalen Organisationen und NGOs, angefangen mit der World Health Organization der UN? Rösler: "Wir bringen alle Stakeholder zusammen: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur." Gegenfrage: "Rauszufinden, was zu tun sei, ist eine Sache, durchsetzen eine andere, oder?"

Rösler: "Wir wären nicht dabei, wenn man es nicht durchsetzen könnte." Wie? "Wir stellen die Plattform her, wo Leute miteinander reden, die es sonst nicht tun." Also so eine  Art Gesprächskreis oder eine Netzwerk- und Partyzone wie in Davos?" Rösler schätzt den Vergleich nicht: "Glauben Sie, der iranische Präsident Ruhani kommt wegen des guten Essens nach Davos? Wo soll, sagen wir, ein nigerianischer Regierungschef seine Ideen sonst vortragen?"

Was ist seine Agenda?

Was sieht Rösler als künftige Agenda, jetzt wo Global Warming und Finanzkrise etwas in den Hintergrund getreten sind und reichlich fossile Energie aus dem Schiefer sprudelt? "Diese Probleme, die auch beim WEF 2014 eine zentrale Rolle spielen, verschwinden nicht." (In der Tat: Al Gore, der Papst der menschengemachten Erwärmung, tritt auch dieses Mal vor großen Mengen auf.)

Frage: "Ist nicht mittelfristig – in dieser Generation – das allergrößte Problem der Zerfall der Staaten, Chaos und Bürgerkrieg?" Rösler glaubt, das WEF könne auch für die streitenden Parteien sowie den interessierten Ringsum-Mächten die richtige Plattform bieten. Mit Blick auf Syrien sind diesmal zwei Schwergewichte dabei: Israels Premier Netanjahu und Irans Präsident Ruhani. Am kommenden Sonntag, nach dem offiziellen WEF-Ende, treffen sich in Davos hundert Israelis und Palästinenser, berichtet Rösler.

Wer weiß: Vielleicht schafft WEF-Außenminister Rösler, was noch nie einem "richtigen" Außenminister außer Kissinger vor 40 Jahren gelungen ist: ein "bisschen Frieden" in Mittelost, dem Zentrum aller Friedlosigkeit. Netanjahu und Ruhani könnten sich zumindest beim, genauer: über das Essen verständigen. Sie würden beide nur "koscher" und "halal" akzeptieren, also weder Austern noch Hummer. Lamm-Kebab und Hummus wären schon mal ein guter Anfang.