Screenshot eines vom Betreiber Vattenfall zur Verfügung gestellten Videos der Kamerainspektion eines unterirdischen Lagerraums im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel © Vattenfall/dpa

In einem Betonkeller des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel in Schleswig-Holstein sind 18 der 70 Fässer mit radioaktivem Abfall von Rost befallen. Das hat Umweltminister Robert Habeck nach Abschluss von Kamerainspektionen in einer der sechs Kavernen bekannt gegeben. Die Korrosionserscheinungen seien teils so stark, dass die Fasswand durchdrungen sei. 

Trotz teils sehr hoher Strahlung direkt an den Rostfässern bestehe für Mitarbeiter des AKW und die Bevölkerung keine Gefahr, sagte Habeck: "Die Kavernen sind sicher." Nach draußen dringt Experten des Ministeriums zufolge nur marginal Strahlung.

In Brunsbüttel lagern in sechs unterirdischen, wegen der Enge nicht begehbaren Betondepots insgesamt 631 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen – Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle aus dem Reaktorbetrieb – davon 70 in der nun untersuchten Kammer.

Habeck rechnet mit weiteren Problemen

"Wir rechnen damit, dass es auch beim Öffnen der anderen Kavernen zu Problemen kommen kann", sagte Habeck. An einzelnen Fässern in der Kaverne sei eine Strahlung bis zu 600 Millisievert pro Stunde gemessen worden. Zum Vergleich: Ein Arbeiter im AKW darf bis zu 20 Millisievert im Jahr ausgesetzt sein.

Experten des Ministeriums sagten, bereits ein, zwei Meter oberhalb der geöffneten Kaverne sei nur noch eine Strahlung von ein bis zwei Mikrosievert festgestellt worden – ein Mikrosievert ist ein Tausendstel Millisievert. Die Kavernen seien mit 110 Zentimeter dicken Betondeckeln geschützt.

Bergung der Fässer soll 2015 beginnen

Bis Oktober 2014 sollen voraussichtlich drei weitere Kavernen mit der Kamera inspiziert werden. Die Bergung der Fässer aus diesen vier Depots soll 2015 beginnen. Vorgesehen ist ein Umfüllen in gusseiserne Container mit 16 Zentimeter dicken Stahlwänden. Mit einer neu entwickelten Bergungseinrichtung will der Betreiber Vattenfall die Fässer anheben, mit einem Übersack sichern und in ein Überfass stellen oder in einer Umsauganlage entleeren lassen.

Mit besonderen Problemen rechnen die Experten der Atomaufsicht für die zwei dann noch zu leerenden Kavernen. Die Fässer dort seien mit teils stärker radioaktivem Material befüllt. Es sei bei der Öffnung und Inspektion mit "erheblicher Strahlenexposition für das beteiligte Personal" zu rechnen.

Fässer seit mehr als 30 Jahren in Brunsbüttel

Die jetzt rostenden Müllfässer sollten nur für wenige Jahre in Brunsbüttel lagern, liegen aber jetzt bereits mehr als 30 Jahre dort. "Die Fässer sollten ursprünglich bereits Mitte der 1990er Jahre in das bundesweite Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle, Schacht Konrad, gebracht werden", sagte ein Vattenfall-Sprecher. Mit einer Inbetriebnahme von Schacht Konrad sei aber erst zwischen 2021 bis 2025 zu rechnen.

Die in Gusseisen-Container umgefüllten Atomfässer sollen deshalb zunächst auf dem AKW-Gelände in Brunsbüttel lagern – in zwei bestehenden sogenannten Transport-Bereitstellungshallen. Es ist aber der Bau einer neuen großen Halle geplant, in der sämtliche Container sowie später Material vom AKW-Rückbau Platz finden sollen. Zusätzlich verfügt Brunsbüttel über ein Standortzwischenlager für Castoren mit hochradioaktivem Atommüll.

Bundesweit lagerten nach einer Statistik der Universität Hannover von 2005/2006 zufolge rund 20.000 Fässer mit schwach- und radioaktivem Atommüll in deutschen Atomkraftwerken, teilten Experten des Kieler Ministeriums mit. Wie viele davon Rostschäden haben, sei nicht bekannt.