Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW haben am Mittwoch erstmals ihre Pläne für Deutschlands größes Stromnetzprojekt präsentiert. Die wichtigste Trasse soll SuedLink heißen und Windstrom von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern transportieren, wo in den kommenden jahren mehrere Atomkraftwerke vom Netz gehen. Die Stromautobahn ist 800 Kilometer lange und soll bis zum Jahr 2022 fertiggestellt sein. 

"Jemand muss anfangen zu sagen, da kann es langgehen", sagt Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman, dessen Unternehmen für den Hauptteil der Trasse verantwortlich ist, "wir sind startbereit". TransnetBW-Geschäftsführer Rainer Joswig sagte: "Wir sprechen hier von der Hauptschlagader und dem Rückgrat der Energiewende." Jetzt gehe es um den Dialog mit den Bürgern über den Trassenverlauf.

Die als Gleichstromverbindung geplante Trasse ist eines von drei großen Neubauprojekten mit insgesamt 2.800 Kilometern Länge. Insgesamt kosten die 36 Ausbau- und Verstärkungsprojekte des Stromnetzes mindestens zehn Milliarden Euro. Nach Plänen der beiden Unternehmen soll spätestens 2016 der Bau der SuedLink-Verbindung starten, 2022 soll die Leitung dann stehen. Hartmann zufolge liegen die Kosten im "unteren einstelligen Milliardenbereich". Die Masten der Trasse sollen 60 bis 70 Meter hoch sein. Man habe schon geschaut, "wie sieht die Natur aus, wo wohnen die Menschen".

Der konkrete Trassenverlauf ist noch unklar. In diesem ersten Vorschlag verläuft die Trasse von Wilster (Schleswig-Holstein) über Hannover und Lehrte durch nach Hildesheim. Danach geht es in südwestlicher Richtung an Höxter, Warburg (NRW) und westlich an Kassel (Hessen) vorbei. Von dort an Bad Hersfeld vorbei Richtung Süden, um Fulda passierend in das bayerische Grafenrheinfeld zu münden. Der zweite Abschnitt soll von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg führen. 

Proteste in Bayern

Allerdings sind die Pläne extrem umstritten, seit Jahren wehren sich Bürgerinitiativen gegen Strommasten in ihrer Region. In Bayern richtet sich der Protest aktuell gegen eine 450 Kilometer lange Trasse des Netzbetreibers Amprion  zwischen Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Meitingen (Bayern).     

Bayern und Baden-Württemberg stellen sogar teilweise den Bedarf für neue Stromautobahnen in Frage. Mit der geplanten Ökostrom-Reform der Bundesregierung ändere sich die Geschäftsgrundlage, argumentiert etwa die bayerische Landesregierung. In Bayern ist Solarstrom extrem populär, der Widerstand gegen teuer nach Bayern transportierten Windstrom vom Norden wächst. Insbesondere Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will die Planungen neu justieren. In Bayern finden im März Kommunalwahlen statt.  

Eine Studie des Thinktanks Agora Energiewende war kürzlich zu dem Schluss gekommen, dass es einerlei ist, ob Windstrom von guten Windstandorten an der Küste abtransportiert wird und dafür das Netz ausgebaut wird - oder ob er an schlechteren Standorten produziert wird, der Netzausbau aber dafür kleiner ausfällt.

Tennet-Geschäftsführer Hartman sieht trotzdem Bedarf für neue Netze: "Wenn wir die Energiewende haben wollen, brauchen wir diese Netze." Es gebe eine gesetzliche Verpflichtung, München und Berlin müssten sich einigen. Wegen der Unklarheit will der Konzern sogar nicht mit dem Bürgerdialog über den Trassenverlauf starten.