Gegen den Maiszünsler und andere Schmetterlinge, deren Raupen zu den häufigsten Schädlingen auf Maisfeldern zählen, bildet die genveränderte Maissorte 1507 ein Gift. Sie kann es außerdem ab, mit dem giftigen Pflanzenschutzmittel Glufosinat besprüht zu werden: Unkraut tötet dieses Mittel ab, der Mais wächst ungestört weiter.

Um der Maissorte mit der Nummer 1507 diese Eigenschaften zu verleihen, haben Gentechniker ihr Erbgut verändert und der Pflanze Genabschnitte aus Bakterien eingeschleust: Die einen dieser Bakterien bilden von Natur aus ein Gift gegen Schmetterlingsraupen, die anderen sind immun gegen das Pflanzengift.

Im Streit darum, ob es künftig zugelassen sein soll, dass dieser "Genmais", wie solche Sorten häufig genannt werden, auf Feldern in der EU angebaut werden darf, will sich Deutschland  enthalten. Der Begriff Genmais ist deshalb nicht ganz korrekt, weil alle Lebewesen Gene enthalten. Das Besondere – und Umstrittene – an diesem auch "transgen" genannten Mais ist, dass sein Erbgut künstlich umgebaut wurde.

Als Lebens- und Futtermittel darf die Maissorte 1507 bereits seit dem Jahr 2006 in die EU importiert und weiterverarbeitet werden. Im Essen enthalten sein darf der "Genmais" also. Nur angepflanzt werden darf er auf europäischem Boden bisher nicht.

Deutschlands Enthaltung habe keine Auswirkung

Auf die Enthaltung bei der Abstimmung auf EU-Ebene hat sich die Bundesregierung verständigt, wie ihr Sprecher Steffen Seibert sagte. Dies sei üblich, wenn die Ministerien in einer Frage unterschiedlicher Meinung seien, sagte er.

Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums sagte, das deutsche Verhalten bei der Abstimmung in der kommenden Woche habe ohnehin keine Auswirkungen. Die EU wolle den Gentechnik-Mais unabhängig von dem Votum zum Anbau zulassen. Jedoch halte Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich Ausstiegsklauseln für die Bundesländer für vorstellbar, sagte sein Sprecher.

Die EU-Mitgliedstaaten stimmen am 11. Februar darüber ab, ob die genetisch veränderte Maissorte 1507 der US-Firma Pioneer Dupont in Europa angebaut werden darf. Es zeichnet sich EU-Diplomaten zufolge ab, dass weder die Befürworter noch die Gegner der Zulassung auf eine qualifizierte Mehrheit kommen. Im Falle eines Patts entscheidet die EU-Kommission, die den Anbau der Pflanze aller Voraussicht nach erlauben wird.

Ohrfeige für Bürger, die Gentechnik ablehnen

Gentechnik-Kritiker hatten die Bundesregierung aufgefordert, gegen die Zulassung zu stimmen. Mit der Enthaltung ignoriert die Bundesregierung den Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung, die den Anbau genveränderter Pflanzen ablehnt. Im Koalitionsvertrag hatte es noch allgemein geheißen: "Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegen grüne Gentechnik an."

Die Grünen kritisierten die angekündigte Enthaltung als "Ohrfeige für eine überwältigende Mehrheit der Menschen in unserem Land, die keine Gentechnik auf Acker und Teller wollen". Eine Enthaltung bedeute faktisch eine Zustimmung, sagte der Grünen-Gentechnikexperte Harald Ebner. Noch sei es für ein Nein nicht zu spät.

In einem wissenschaftlichen Gutachten hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2005 bescheinigt, dass die Maissorte 1507 für Verbraucher genau so sicher ist wie herkömmlicher nicht gentechnisch veränderter Mails. Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisieren, dieses Gutachten habe Mängel.

Gegner der Gentechnik befürchten, der Anbau der Maispflanze könne unter anderem Tiere wie Bienen und Schmetterlinge gefährden. Verschiedene andere Beispiele hatten gezeigt, dass sich beim Anbau genetisch veränderter Pflanzen nicht mit Sicherheit verhindern lässt, dass Spuren davon in die Umwelt gelangen, die die Tier- und Pflanzenwelt verändern.  

Bisher wird genveränderter Mais in der EU vor allem in Spanien angebaut, gefolgt von Portugal und Tschechien.