Ein Labor der Firma Monsanto in den USA © Brent Stirton/GettyImages

Chipotle legt nach: Die US-Fast-Food-Kette stellt mit Farmed and Dangerous ab Montag eine vierteilige TV-Serie ins Netz, die die Stimmung drehen soll. Die aufwendig produzierte Show setzt mit satirischem Blick zum Angriff auf die industrielle Lebensmittelproduktion an. Es ist nicht der erste Versuch, die Aufmerksamkeit auf die Mängel der Branche zu lenken. Schon der im Auftrag der Kette produzierte Kurzfilm Scarecrow sollte die Amerikaner im Oktober dazu bringen, "über Herkunft und Produktion ihrer Lebensmittel nachzudenken". Innerhalb eines Monats sahen den Film mehr als sieben Millionen Menschen.

Chipotle setzt für seine Burritos auf nachhaltige Landwirtschaft und war im März 2013 die erste Kette in den USA, die gentechnisch veränderte Zutaten aus ihren Produkten verbannte. Dem Geschäft hat das nicht geschadet. Der Gewinn stieg im abgelaufenen Quartal um satte 30 Prozent auf fast 80 Millionen Dollar. Doch so ehrgeizig Chipotle für eine Revolution im Agrar- und Lebensmittelgeschäft kämpft: Bislang ist das Unternehmen damit weitgehend allein.

Seit 1996 sind genetisch veränderte Zutaten fester Bestandteil der US-Lebensmittelindustrie. 70 bis 80 Prozent aller heute verkauften Produkte enthalten Inhaltsstoffe, deren DNA verändert wurde. Als die großen Chemiekonzerne Monsanto und DuPont ihre genetisch veränderten Getreidesorten bewarben, habe es darüber kaum Diskussionen gegeben, erzählt Patty Lovera von der Organisation Food and Water Watch. "Die Umstellung passierte rasend schnell, niemand hat die Verbraucher wirklich gefragt, und die Firmen steckten viel Geld in die Werbung, um die Branche zu überzeugen."

Der Widerstand wächst

Dass es kaum Widerstand gab, habe auch kulturelle Gründe. Amerikaner hätten sich anders als etwa die Europäer über Jahrzehnte nur wenig dafür interessiert, was sie essen. "Wir haben einiges aufzuholen", sagt Lovera. Das Ruder jetzt herumzureißen, sei schwer. Heutzutage sei es für Landwirte nahezu unmöglich, überhaupt noch Mais oder Sojabohnen zu finden, die nicht auf irgendeine Art genetisch verändert worden seien.

Doch langsam wächst auch in der Gen-Nation USA der Widerstand. In inzwischen 26 Bundesstaaten haben Verbraucherschützer und Kritiker bis heute Gesetzesvorschläge eingebracht, die eine Kennzeichnung von Lebensmitteln vorschreiben, die gentechnisch veränderte Bestandteile beinhalten. "Wenn Sie die Konsumenten fragen, dann sind sie zunehmend besorgt und verlangen eine genauere Regulierung", sagt Lovera. Mehr als 90 Prozent aller Amerikaner befürworten die Kennzeichnung. Maine und Connecticut stimmten im vergangenen Jahr als erste Bundesstaaten für eine Kennzeichnungspflicht. Mit einer Einschränkung: Die neuen Bestimmungen treten nur in Kraft, wenn umliegende Staaten sich anschließen.