ZEIT ONLINE: Frau Hendricks, in Deutschland wird gerade heftig über gentechnisch veränderte Lebensmittel debattiert. Wo kaufen Sie ihre Lebensmittel?

Barbara Hendricks: Im Lebensmittelladen. Und manchmal auf einem Bauernmarkt. Ich kaufe dort, wo die meisten anderen Bürger auch einkaufen gehen.

ZEIT ONLINE: Ist es wichtig für Sie, dass ihre Lebensmittel gentechnikfrei sind?

Hendricks: Ich würde nie gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen. Und ich gehe davon aus, dass meine Lebensmittel das auch nicht sind.

ZEIT ONLINE: Eine große Mehrheit der Deutschen lehnt gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Warum sind wir Deutschen so skeptisch?

Hendricks: Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass sich bei uns über Jahrzehnte eine starke Umweltbewegung herausgebildet hat. Deren Impuls ist die Bewahrung der Schöpfung. Wir empfinden eine tiefe Skepsis gegen alles, von dem wir annehmen, dass es eine unwiderrufliche Veränderung mit sich bringt.

ZEIT ONLINE: Und Sie?

Hendricks: Ich glaube, wir tragen die Verantwortung dafür, dass alles, was wir tun, auch umkehrbar ist. Wir sollten den nachfolgenden Generationen nichts hinterlassen, was sie nicht mehr beeinflussen können. Das ist unsere Verantwortung als Politiker, aber auch als Gesellschaft.

ZEIT ONLINE: Befürworter der Gentechnik sagen: Es gibt keine Studien, die belegen, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel den Menschen schaden. 

Hendricks: Um es klar zu sagen: Ich bin nicht prinzipiell gegen Gentechnik: Die weiße Gentechnik halte ich etwa für beherrschbar und begrenzbar. Sie arbeitet im Labor und führt nicht zu irreversiblen Prozessen in der Natur. Aber die grüne Gentechnik ist eben nicht beherrschbar. Vor allem ist sie nicht in freier Natur kontrollierbar.  

ZEIT ONLINE: Gentech-Befürworter argumentieren, dass ihre Pflanzen effizienter und weniger anfällig sind. 

Hendricks: Mehr Effizienz ist doch gar nicht nötig. Die europäische Landwirtschaft ist ohne Einsatz von Gentechnik mindestens so effizient wie in anderen Staaten. Unsere Bauern brauchen keine Gentechnik – und wollen sie ja auch nicht. Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft hängt garantiert nicht vom Einsatz gentechnisch veränderter Organismen ab. 

Mehr Effizienz ist doch gar nicht nötig.

ZEIT ONLINE: Die EU-Kommission will erstmals seit Jahren wieder eine gentechnisch veränderte Maissorte zum Anbau zulassen. Wie wollen Sie das als Gentechnik-Gegnerin verhindern?

Hendricks: Der Landwirtschaftsminister und ich sind gegen den Anbau von Genmais in Deutschland. Die griechische EU-Präsidentschaft schlägt zurzeit eine Art Opt-out-Regelung vor: Das würde bedeuten, ein Land könnte sich aus der EU-weiten Zulassung ausklinken und den Anbau im eigenen Land verbieten. Vergangene Woche hat zudem Frankreich, das ebenfalls den Genmais 1507 ablehnt, einen weiteren Vorschlag gemacht, mit dem der Anbau national verhindert werden könnte. 

ZEIT ONLINE: Bekommen Sie ausreichend Unterstützung für ihre Strategie?

Hendricks: Wichtig ist, dass wir ein Einvernehmen in der Bundesregierung zu dieser Ausstiegsoption herstellen. Das gibt es bislang nicht. Die SPD hatte sich vor der Wahl zur Gentechnik eindeutig positioniert: Keine Experimente mit und in der Natur. Auch die CSU hat sich bislang skeptisch geäußert. Aber am Ende müssen wir eben alle Koalitionsparteien und alle Ressorts in der Bundesregierung davon überzeugen, dass es wenig Sinn macht, gegen den Wunsch der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung zu handeln, die Gentechnik auf dem Acker ablehnt.