Peugeot-Produktion im russischen Kaluga © Alexander Zemlianichenko Jr./Bloomberg/GettyImages

Die russische Zentralbank kämpft gerade an vorderster Front. Sie will verhindern, dass die Wirtschaft in eine Rezession abrutscht. Rund zehn Milliarden Dollar pumpte die Notenbank am Montag in den Markt, um den Fall des Rubels zu stoppen. Das Finanzministerium in Moskau teilte unterdessen mit, den Ankauf ausländischer Währung zu stoppen. Auch das soll den Wechselkurs stabilisieren. Russlands Wirtschaft erweist sich als Achillesferse im Konflikt um die Ukraine, in dem Europa und die USA noch immer um ein diplomatisches Rezept ringen, mit dem sie Moskau beikommen können. 

Die russische Wirtschaft schwächelt schon seit Längerem – im vergangenen Jahr lag das Wachstum bei mageren 1,3 Prozent. Für ein Land wie Russland kommt das einer Stagnation gleich. In den vergangenen Wochen hat sich die Situation kaum gebessert. Ein Grund dafür liegt in den USA: Die amerikanische Notenbank Fed drosselt ihre extrem lockere Geldpolitik und bringt damit eine Reihe von Schwellenländer in Bedrängnis, die auf billiges Geld aus den USA angewiesen sind. Die Aussicht auf steigende US-Zinsen hat die Investoren verunsichert. Sie ziehen ihr Geld ab.

So passiert es gerade auch in Russland: Experten der Moskauer Higher School of Economics stellen Anfang Februar fest, dass der Handelsüberschuss nicht mehr ausreicht, um die Kapitalflucht abzufedern. Der Konflikt um die Krim dürfte die Unsicherheit und damit den Druck auf die russische Währung nochmals erhöhen. Alles zusammen schwer kalkulierbare Risiken für die russische Wirtschaft.

Gegenseitige Abhängigkeiten

Russland ist ein zutiefst mit der Weltwirtschaft verwobenes Land. Das macht es einerseits anfällig für Krisen in anderen Regionen der Welt. Andererseits ist es schwer, gezielt wirtschaftlichen Druck auszuüben, etwa durch Sanktionen. Nicht allein weil Putin eine internationale Ächtung innenpolitisch als einen Sieg und eine Bestätigung der eigenen Position verkaufen würde, sondern weil Russland eine der größten Volkswirtschaften Europas ist.  Wer über Sanktionen nachdenke, müsse sich auch der Konsequenzen bewusst sein, sagte Putin am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Beide Seiten würden in einem solchen Fall Schaden nehmen.

Im vergangenen Jahr exportierte Russland Güter im Wert von 426 Milliarden Dollar. Etwa 85 Prozent davon entfallen auf Energierohstoffe, Metalle und andere Ressourcen. Auf diese Exporteinnahmen ist Russland ebenso angewiesen wie Europa auf russische Gaslieferungen. Rund 50 Prozent der russischen Staatsausgaben werden mit den Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft finanziert. Europa bezieht demgegenüber 30 Prozent seiner Öl- und Gaslieferungen aus Russland. Kaum jemand glaubt ernsthaft, dass sich diese wechselseitige Abhängigkeit schnell ändern lässt.

Russland ist darüber hinaus abhängig von Importen aus dem Westen. Fast die Hälfte aller Konsumgüter im russischen Einzelhandel stammt aus dem Ausland. Bei Lebensmitteln ist es ein Drittel. Besonders wichtig für die russische Wirtschaft ist jedoch die Einfuhr von Maschinen und Produktionsmitteln. Der Modernisierungsbedarf der Wirtschaft ist enorm. Knapp die Hälfte aller Importe entfällt deshalb auf Maschinen und Transportmittel aller Art.