Die traditionsreiche Münchner Abendzeitung ist zahlungsunfähig und hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Familie Friedmann als Eigentümerin sehe sich nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, teilte der Verlag mit.

"Die Gesellschafter und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abendzeitung hoffen, dass im Insolvenzverfahren ein Investor gefunden werden kann, damit der traditionsreiche Titel weiter erscheinen kann." Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde nach Angaben des Amtsgerichts München der Rechtsanwalt Axel Bierbach bestellt. Die Zeitung wird vorerst weiter erscheinen.

Werner Friedmann hatte das Blatt nach dem Zweiten Weltkrieg nach der Süddeutschen Zeitung gegründet. Der Nürnberg-Ableger war bereits 2012 eingestellt worden. Zuletzt erreichte das Blatt eine Auflage von rund 100.000 Exemplaren, vorrangig im Großraum München.

Seit 2001 haben sich die Verluste dem Insolvenzantrag zufolge auf rund 70 Millionen Euro summiert, berichtete der Mediendienst DWDL. Allein im vergangenen Jahr sei ein Minus von zehn Millionen Euro angefallen und die ersten beiden Monate des Jahres 2014 seien erneut schwächer als im Vorjahr gelaufen. Alleine 2013 hätten die Verluste zehn Millionen Euro betragen, berichtete der Branchendienst Meedia.

Wertvolle Objekte bereits verkauft

Die Rücklagen des Unternehmens waren in den vergangenen Jahren DWDL zufolge aufgebraucht worden und wertvolle Objekte wurden bereits versilbert, etwa durch den Verkauf des Gebäudes in der Sendlinger Straße sowie der AZ Nürnberg, des Frankenreport und der Beteiligungen am Funkhaus Nürnberg, Radio Gong und der mbt. Außerdem hätten die Gesellschafter Bareinlagen in Höhe von mehreren Millionen Euro geleistet. Einen starken Partner zu finden, sei in dieser Zeit bisher nicht möglich gewesen.

Die Geschäftsführung verweist in diesem Zusammenhang auf die "nach wie vor restriktive kartellrechtliche Situation". In erster Linie dürften Meedia zufolge der Auflagenniedergang und rückläufige Werbeerlöse die Ursache für die Pleite sein.