Frage: Apropos Mais. Können Sie versprechen, dass der umstrittene Genmais 1507 in Deutschland nicht angebaut wird?

Schmidt: Für diese Pflanzperiode hat sich die Frage praktisch erledigt, da sich das Verfahren hinzieht. Eins ist klar: Die Bürger wollen keine gentechnisch veränderten Pflanzen auf den Feldern und keine Gentechnik-Produkte in den Ladenregalen. Die Kompetenz für die Zulassung solcher Pflanzen liegt bei der Europäischen Union – dort ist in den vergangenen Wochen die sogenannte Opt-Out-Regelung wahrscheinlicher geworden. So könnten einzelne Länder oder Regionen ein Anbauverbot erlassen. Ich unterstütze diesen Ansatz, innerhalb der Bundesregierung befinden wir uns allerdings noch in der Abstimmung.

Frage: Also macht jedes Land künftig, was es will?

Schmidt: Europa lebt vom Prinzip der Subsidiarität. Wenn die Bürger in unterschiedlichen Regionen keine gentechnisch veränderten Organismen wollen, muss man darauf Rücksicht nehmen. Das schadet Europa nicht, sondern stärkt die Bürger.

Frage: Noch eine Frage an den Ernährungsminister: Wie sehen Sie die aktuelle Preissenkungswelle im Handel? Erst wurde Müsli billiger, dann Butter, jetzt ist es das Fleisch.

Schmidt: Es gibt im Handel einige wenige, sehr starke Ketten, die auf viele, oft kleine, nicht organisierte Erzeuger und weiterverarbeitende Betriebe treffen. Es ist gut, dass Qualität heute für alle bezahlbar ist. Anders ist es jedoch, wenn Preisschlachten über Lebensmittel geführt werden. Hier fehlt mir die Wertschätzung für unsere "Mittel zum Leben". Unsere wertvoll erzeugten Lebensmittel dürfen nicht verschleudert werden.

Frage: Muss also die Politik regulierend eingreifen?

Schmidt: Gesetze führen hier nicht weiter. Hier müssen alle ein stärkeres Bewusstsein entwickeln für den Wert von Lebensmitteln.

Frage: Wie ist das bei Ihnen daheim geregelt? Wer kauft ein: Machen Sie das oder übernimmt das Ihre Frau?

Schmidt: Wir beide. Ich gehöre aber eher zu den Leuten, die in den Laden gehen und sich vom Angebot in den Regalen inspirieren lassen. Oft bin ich beim Discounter erstaunt, wie wenig ich dann zahlen muss. Oder ich ärgere mich, wie teuer der Schafskäse war. Denn den mag ich eigentlich gar nicht, aber der Rest meiner Familie.

Erschienen im Tagesspiegel