Es dauert nicht einmal einen Tag, bis die Kehrtwende kommt. Unmittelbar nach dem Steuer-Urteil gegen Uli Hoeneß hat sein Anwalt Hanns Feigen noch angekündigt: "Wir werden das Urteil natürlich mit dem Rechtsmittel der Revision angreifen." Heute dann die Überraschung: Hoeneß fügt sich seiner Gefängnisstrafe und akzeptiert das Urteil des Münchner Landgerichts.

"Ich habe meine Anwälte beauftragt, nicht dagegen in Revision zu gehen", schreibt er in einer Stellungnahme auf der Homepage des FC Bayern. Außerdem legt Hoeneß mit sofortiger Wirkung seine Ämter beim deutschen Rekordmeister nieder. Er wolle sich aus "Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung" den Konsequenzen des Urteils stellen, erklärt Hoeneß. Doch darüber hinaus dürfte es auch juristische Gründe für seine Kehrtwende geben.

Aus Sicht des Münchner Anwalts und Steuerexperten Klaus Höchstetter ist Hoeneß im Prozess mit einem "sehr guten Urteil" davongekommen. Deswegen könne er auch kaum ein Interesse haben, das Urteil anzufechten, sagt Höchstetter – es sei denn, die Verteidigung sei fest von der Wirksamkeit der Selbstanzeige überzeugt. "Da Hoeneß das Urteil aber akzeptiert, ist das auch ein Indiz dafür, dass er die Unwirksamkeit anerkennt."

Für Hoeneß selbst hätte ein endgültiges Urteil mehrere Vorteile. Er würde das Risiko einer noch längeren Haftstrafe vermeiden. Und er könnte ebenfalls vermeiden, dass die Steuerfahnder noch tiefer in seinen Finanzen wühlen. Bereits im Prozess war es dem 62-Jährigen sichtlich unangenehm, als eine Steuerbeamtin öffentlich seine Jahreseinkommen sezierte. Legt die Staatsanwaltschaft keine Revision ein, muss Hoeneß keine weiteren Enthüllungen über seine Schweizer Konten fürchten. Zumindest vonseiten des Finanzamts.

Revision könnte härteres Urteil bringen

Auch den medialen Druck dürfte Hoeneß bei seiner Entscheidung berücksichtigt haben, sagt der Kölner Steueranwalt Markus Rübenstahl: "Natürlich stellt man sich in so einer Lage die Frage: Will ich wirklich noch ein Jahr lang medienöffentlich so einen Prozess ausfechten?" Das hätte der ehemalige Bayern-Präsident wohl nur in Kauf genommen bei ernsthafter Aussicht auf einen endgültigen Erfolg – also bei guten Chancen auf eine wirksame Selbstanzeige oder eine deutlich reduzierte Haftstrafe.

Der Steuerrechtsexperte ist ebenfalls der Meinung, dass Hoeneß mit der dreieinhalbjährigen Haftstrafe noch gut weggekommen ist. "Bei einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall würde ihm eine deutlich höhere Gesamthaftstrafe drohen", sagt er. Denn bei einer Revision würde der Bundesgerichtshof die Entscheidung wahrscheinlich an eine andere Kammer des Münchner Landgerichts zurückgeben. Dort könnte die Staatsanwaltschaft dann den Vorwurf der schweren Steuerhinterziehung erheben – und das Gericht "im Ergebnis eine erheblich höhere Strafe gegen Herrn Hoeneß verhängen", meint Rübenstahl.

Nicht nur Juristen halten deswegen Hoeneß' Entscheidung für richtig, das Urteil nicht anzufechten. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa sagte: "Die Tatsache, dass Uli Hoeneß jetzt dieses Urteil so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab." Auch von der SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi bekam Hoeneß Zuspruch: "Er zeigt damit auch Einsicht in seine Schuld", sagte sie.