Uli Hoeneß © Michaela Rehle/Reuters

Die Spekulationsgeschäfte von Uli Hoeneß liefen weit komplexer ab als bisher angenommen. Nach Informationen der Wochenzeitung DIE ZEIT waren mindestens zwei weitere Banken unmittelbar daran beteiligt, unter ihnen das Schweizer Haus Julius Bär. Entgegen der bisherigen Informationslage hatte der frühere Fußballmanager neben einem Händler bei der Zürcher Bank Vontobel weitere Ansprechpartner. "Er konnte sich direkt an Leute bei Julius Bär wenden", heißt es in übereinstimmenden Aussagen.

Finanzkreisen zufolge schloss Vontobel Kooperationsverträge mit anderen Banken, weil der Devisenhandel des Hauses zu klein ist, um Kunden auch nachts zu Diensten zu sein. Hoeneß aber war ein Kunde, der nach eigenen Aussagen fast rund um die Uhr zockte, insbesondere mit Währungen.

In der Praxis lief die Kooperation nach Aussagen mehrerer Kenner wie folgt: Vontobel und Julius Bär vereinbarten jeden Tag aufs Neue ein Limit dafür, wie viel Kapital Hoeneß einsetzen durfte. Hatte Hoeneß nachts gehandelt, wurde das am nächsten Tag zwischen den Instituten abgerechnet. Sofern die Geschäfte bei der Partnerbank zu Verlusten geführt hatten, glich Vontobel diese aus. Hatte Hoeneß Gewinne erzielt, landeten diese auf seinem Konto. Es sei Geld "hin und her" geflossen, schilderte ein Kenner. Kunde der anderen Banken war nicht Hoeneß, sondern Vontobel.

Neue Zahlen gibt es zu den Schweizer Konten von Hoeneß: Der ZEIT sagte die Staatsanwaltschaft München, dass 2003 weitere 5,6 Millionen Euro bei Vontobel landeten. Diese stammten wie jene 11,2 Millionen Euro, die Hoeneß bereits 2001 zu Vontobel transferiert hatte, von seinem Konto bei der deutschen Bank Reuschel. Das Geld kam über die Graubündner Kantonalbank nach Zürich.

Hinweise auf sogenannte Backuped Deals

Zusammen mit den rund 10 Millionen Euro von Robert Louis-Dreyfus standen Hoeneß also insgesamt fast 27 Millionen Euro für Spekulationen zur Verfügung. Das Geld verteilte sich von 2004 an auf zwei Konten. "Höchster Jahresendstand auf beiden Konten zusammen war rund 164 Millionen Euro", hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Demnach erreichte auch das zweite Konto stattliche Größenordnungen, einmal zum Beispiel rund 19 Millionen Euro.

Zuvor hatte das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz über Widersprüche im Fall Hoeneß berichtet. So soll er doch nicht alle Spekulationsgeschäfte selbst veranlasst haben.  Er schob sogar der Bank eine Mitverantwortung für seine Geschäfte zu. Bilanz summierte die Hoeneß zeitweilig zur Verfügung stehende Summe auf 200 Millionen Euro. "Auf einzelne Währungspaare setzte Hoeneß Summen von 40, 50 oder gar 160 Millionen Euro", schreibt Bilanz

Devisengeschäfte habe Hoeneß auch bei einer deutschen Bank getätigt, der Privatbank Reuschel in München. Unter Berufung auf einen Finanzprüfer heißt es, dass sich "die Vermögensstände bei der Münchner Bank sehr ähnlich entwickelten wie bei der Bank Vontobel". Dies könnte auf sogenannte Backuped Deals hindeuten, bei denen die Kunden im Ausland auf einen Kursgewinn, im Heimatland dagegen bei derselben Währung auf einen Verlust wetten.