Was wurde nicht alles versucht, damit die Deutschen wieder mehr Kinder bekommen? Das Kindergeld erhöht, die Vätermonate eingeführt, um die Herdprämie gestritten. Genützt hat es nichts. Die Geburtenrate in Deutschland liegt seit Ende der siebziger Jahre konstant unter 1,5 Kindern pro Frau. Von dem Knick Ende der sechziger Jahre, als die Rate innerhalb von sieben Jahren von 2,5 auf 1,5 abstürzte, hat sie sich nie mehr erholt. In vielen anderen Industriestaaten ist es ähnlich und selbst in ehemals kinderreichen Schwellenländern wie Brasilien sind die Geburtenraten in den vergangenen Jahren um mehr als die Hälfte gesunken.

Politiker und Bevölkerungsforscher rätseln seit Jahren, warum die Menschen keine Lust mehr haben, Eltern zu werden. Liegt es an der unsicheren Arbeitswelt mit befristeten Verträgen und hohem Leistungsdruck? An wechselnden Partnerschaften? An fehlenden Kita-Plätzen? Ökonomen haben eine andere, provokante Erklärung für das Phänomen: Kinder machen unglücklich.

"Die meisten Langzeitstudien zeigen, dass es Menschen besser geht, wenn sie keine Kinder haben", schrieb der norwegische Ökonom Thomas Hansen 2012 in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift Social Indicators Research. Hansen hatte mehrere Studien verglichen, bei denen Eltern und kinderlose Paare gefragt wurden, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Fast zeitgleich veröffentlichte der italienische Wirtschaftswissenschaftler Luca Stanca (Universität Milan Bicocca) eine Arbeit, für die er Befragungsergebnisse aus 94 Ländern ausgewertet hatte. Ob in Neuseeland, Chile oder der Schweiz – wenn man Menschen im gleichen Alter, mit gleich hohem Einkommen und ähnlicher Herkunft und Ausbildung vergleicht, sind kinderlose Paare im Durchschnitt deutlich glücklicher als Eltern, zeigen seine Daten. "Aus einer rein ökonomischen Perspektive, ist die optimale Anzahl von Kindern genau null", lautet daher Stancas hartes Fazit.

Wie aussagekräftig sind die Studien?

Die beiden Studien haben unter Ökonomen und Psychologen eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Viele wollen die Ergebnisse nicht glauben, schließlich beweisen die leuchtenden Augen von Eltern, wenn ihre Kinder die ersten Schritte machen oder bei der Theater-AG auf der Bühne stehen doch das Gegenteil. Und tatsächlich gibt es ein Problem bei derartigen Studien. Mit den Daten, die ihnen zugrunde liegen, kann man oft nicht eindeutig feststellen, ob es wirklich Kinder sind, die das Leben von einst glücklichen Paaren zur Hölle machen oder ob andere Faktoren die Ergebnisse verzerren. 

Viele Erkenntnisse der Glücksforschung sind in den vergangenen Jahren wegen methodischer Schwächen ins Wanken geraten. Es könnte zum Beispiel sein, dass glückliche Menschen seltener Kinder bekommen und dann in den Umfragen als zufriedene Kinderlose auftauchen. Von Natur aus fröhliche Menschen sind vielleicht selbstbewusster und es könnte ihnen daher leichter fallen, gegen das traditionelle Familienbild zu verstoßen.

Zuverlässig ausschließen könnte man solche Verzerrungen nur mit einem Experiment, für das man aber wohl nur schwer Probanden finden würde. Kinderlosen Paaren müsste man morgens unangekündigt ein Kind ins Bett legen, um zu beobachten, wie sich ihr Leben dadurch verändert. Die Kontrollgruppe würde es noch härter treffen: Ihnen müsste man ihr Kind wegnehmen. Weil das nicht geht, können Ökonomen nur auf sogenannte Panel-Daten zurückgreifen. Dabei werden sowohl Eltern als auch kinderlose Paare über mehrere Jahre beobachtet.