Masthähnchen leben auf engstem Raum © Andreas Gebert/dpa

Der "Delikatess Bratenaufschnitt" ist jetzt für 1,19 Euro zu haben, zehn Cent weniger als zuvor. Die 150 Gramm "Hauchfein Aufschnitt" gehen sechs Cent günstiger weg. Quer durchs Regal, von der Geflügel-Filetroulade bis zum Schwarzwälder Schinken, senkte Aldi vor Kurzem die in Deutschland ohnehin relativ niedrigen Preise.

Die Preissenkung, bei der Lidl sogleich nachzog, wirft ein Schlaglicht auf die Kalkulation der Broiler-Hersteller. Ist da noch Luft für Preissenkungen? Was kostet eigentlich das Hähnchen, dessen Brustfilet Aldi für den Preis eines Filterkaffees verkauft, in Aufzucht, Schlachtung und Vertrieb? Wer verdient in diesem Kreislauf?

Ein Blick in die Zahlen zeigt: Die Herstellung eines Hähnchens ist ein Prozess, in dem um Hundertstel Cent gerungen wird. Der Gewinn pro Tier ist derart niedrig, dass praktisch nur Geld machen kann, wer Zehntausende Hühner parallel großzieht und via Fließband tötet und auseinandernimmt. "Die Gewinnmarge ist verschwindend gering", sagt einer, der viele Daten im Markt kennt, aber anonym bleiben will. "Kein Landwirt wird freiwillig Massentierhalter. Das machen sie nur, weil sie nicht anders können. Die Masse ist die einzige Chance."


In der Branche lässt sich niemand gern in die Karten blicken. Wie viel Cent pro Hähnchen am Ende in den Schlachtfabriken oder dem Einzelhandel verdient werden, ist nur abzuschätzen. "Das kann niemand genau sagen", sagen selbst Kenner wie der auf Tierhaltung spezialisierte Agrarwissenschaftler Robby Andersson von der Hochschule Osnabrück.

Im Laden oder Supermarkt zahlten die Deutschen für ein Kilogramm frisches Brathähnchen zuletzt im Schnitt 3,72 Euro. Beim sogenannten Mäster, also demjenigen, der Küken kauft, füttert und einen Stall für die Aufzucht bauen muss, bleibt nur ein kleiner Teil hängen. Laut der wirtschaftsnahen Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) lag der Preis 2012 (aktuellere Daten sind noch nicht veröffentlicht) für ein Kilogramm Hähnchen nach der Schlachtung durchschnittlich  bei 89 Cent. In die Einzelteile wie Schenkel oder Brust zerlegt, schnellt der Preis in die Höhe. Der Großhändler verkaufte das Kilogramm schon für 2,58 Euro an den Einzelhandel oder die Gastronomie. An der Ladentheke wurden dann die 3,72 Euro fällig.