Die Ukraine hebt den Gaspreis für die heimischen Verbraucher ab Mai um mehr als 50 Prozent an. Zudem seien bis 2018 weitere Erhöhungen geplant, sagte ein Vertreter des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz. Mit dem Schritt reagiert das Unternehmen auf eine Forderung des Internationalen Währungsfonds, der der Ukraine mit einem Rettungspaket von 15 bis 20 Milliarden helfen will. Die Verhandlungen darüber, wie die Hilfe konkret aussehen wird, laufen noch.

Die höheren Gaspreise sind auch eine Folge des Konflikts mit Russland. Das Land hatte zuletzt die Halbinsel Krim annektiert. Anfang März hatte der russische Energiekonzern Gazprom angekündigt, der Ukraine Erdgas nicht mehr zu ermäßigten Preisen zu liefen. Ab April müsse das Land so viel zahlen wie normale Kunden, hatte Gasprom-Chef Alexej Miller gesagt.

Diesen Schritt begründete Gazprom ausschließlich mit betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten. Demnach hätte die Ukraine viele Rechnungen nicht bezahlen können. Das Land habe Anfang März Schulden in Höhe von 1,55 Milliarden Dollar für das vergangene und das laufende Jahr angehäuft, sagte ein Gazprom-Sprecher.

Russland hatte den Gaspreis für die Ukraine erst im vergangenen Dezember gesenkt, nachdem der inzwischen abgesetzte Präsident Viktor Janukowitsch ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union überraschend nicht unterzeichnet hatte. Demnach muss die Ukraine derzeit 268,50 Dollar je 1.000 Kubikmeter Gas zahlen – vorher waren es etwa 400 Dollar.

RWE könnte der Ukraine helfen

Ob die Ukraine nun günstige Energiealternativen bekommen kann, ist fraglich. Das deutsche Energieunternehmen RWE hatte auf seiner Bilanzpressekonferenz angekündigt, grundsätzlich dazu bereit zu sein, der Ukraine Gas zu liefern. Es sei bekannt, dass RWE eine Rahmenvereinbarung mit dem Staat habe, innerhalb welcher der Konzern über die Tschechische Republik und die Slowakei Gas an die Ukraine liefern könne, sagte Finanzchef Bernhard Günther. "Das ist sicherlich eine Möglichkeit, falls es zu Versorgungsengpässen in der Ukraine kommen könnte."

Im Gegensatz zur Ukraine muss Deutschland nicht fürchten, nicht mehr mit ausreichend Gas versorgt zu werden. Russland ist auf die Einnahmen aus den Energieexporten angewiesen. Dennoch forderte EU-Energiekommissar Günther Oettinger in der Rheinischen Post, dass Deutschland die umstrittene Fördermethode Fracking zulasse. So könne Deutschland seine Importabhängigkeit von Russland "auf Jahrzehnte verringern", sagte Oettinger.