Petro Poroschenko im Kiewer Parlament © Andrey Stenin/RIA Novosti/dpa

Es ist kein leichter Job, den Igor Kolomojskij da angenommen hat: Der 51-Jährige ist seit diesem Sonntag Gouverneur des Gebietes Dnepropetrowsk, einer traditionell prorussischen Region, ernannt von der auf wackeligen Beinen stehenden neuen Kiewer Regierung. Kolomojskij kam nicht mit leeren Händen ins Amt: Laut der Zeitschrift Forbes beträgt sein Vermögen drei Milliarden Dollar. Angehäuft hat er es in den vergangenen zwei Jahrzehnten, mit seiner Großbank Privat und einem unübersichtlichen Netz von über 100 Unternehmen. Zudem stammt Kolomojskij aus Dnepropetrowsk und hat sich dort als großzügiger Unterstützer der jüdischen Gemeinde einen Namen gemacht.

Manche Beobachter werteten seine Ernennung als Zeichen gegen Vorwürfe, die neue Regierung sei nationalistisch und antisemitisch. Ukrainische Medien jedoch sehen einen ganz anderen Grund: Der neuen Regierung in Kiew fehlen schlicht Politiker mit Statur, die im Osten und Süden des Landes über genug Autorität und Kenntnisse der örtlichen Machtverhältnisse verfügen, um sich durchzusetzen. Deshalb macht sie nun die alten Oligarchen zu Gouverneuren.

Auch im benachbarten Donezk, der Hauptstadt des "ukrainischen Ruhrgebietes" Donbass, ist mit Sergej Taruta ein knapp 600 Millionen Dollar reicher Ukrainer zum Gouverneur ernannt worden. Taruta gilt jedoch anders als Kolomojskij nicht als eigenständige Figur. Er ist ein Vertreter des eigentlichen Königs des Donbass – Rinat Achmetow.

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Achmetow ist der reichste Ukrainer, zu seiner Gruppe System Capital Management gehören Stahlwerke, Kohlegruben, Fernsehsender und der Fußballclub Schachtar Donezk. In seinen Unternehmen finden 300.000 Menschen Arbeit. Achmetow hatte sich nie öffentlich zu den Ereignissen auf dem Kiewer Maidan geäußert. Stattdessen rief er in stets um Neutralität bemühten Presseerklärungen seiner Unternehmensgruppe beide Seiten zu Dialog und Gewaltverzicht auf. Seine jüngste Erklärung endet mit den Worten: "Unsere Kraft liegt im Zusammenhalt der Wirtschaft, der Regierung und der Gesellschaft." Angesichts der engen Verstrickung von Wirtschaft und Politik entbehrt der Satz nicht einer gewissen Ironie.

Bis zuletzt hatte Achmetow über die von ihm kontrollierten Abgeordneten im ukrainischen Parlament Präsident Viktor Janukowitsch gestützt. Bis heute existiert die Achmetow-Gruppe, bestehend aus 40 bis 50 Abgeordneten, innerhalb der von Janukowitsch angeführten Partei der Regionen.

Spaltung des Landes wäre schlecht fürs Geschäft

Weitere zehn Abgeordnete in der Partei der Regionen stellt der Oligarch Dmitri Firtasch, dem unter anderem der populäre Fernsehsender Inter gehört und dessen Reichtum auf dem Gashandel gründete. Nun bat er im Namen des von ihm geführten Arbeitgeberverbandes die "Businessmeny" der Ukraine und Russlands darum, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um eine Eskalation des Konfliktes zwischen den Ländern zu verhindern.

Die meisten Oligarchen präsentieren sich seit dem Ende Janukowitsch als Garanten für die territoriale Integrität des Landes: Sie wenden sich in ihren Erklärungen gegen jede Art des Separatismus, also eine Aufteilung des Landes entlang der Sprachgrenze. Eine solche Teilung birgt große Risiken für ihre Geschäfte. So nannte Igor Kolomojskij auf seiner ersten Pressekonferenz Wladimir Putin im Zusammenhang mit der russischen Machtübernahme auf der Krim einen "Schizophrenen", der von der Wiederherstellung der Sowjetunion träume.