Uli Hoeneß © Marc Müller/dpa

Uli Hoeneß akzeptiert seine Verurteilung als Steuerhinterzieher und damit die Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. "Ich habe meine Anwälte beauftragt, nicht dagegen in Revision zu gehen", teilte der 62-Jährige in einer persönlichen Erklärung mit. "Außerdem lege ich mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München e.V. und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder." 

Wie Hoeneß weiter ausführt, habe er sich nach "Gesprächen mit meiner Familie" zu diesem Schritt entschlossen. "Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens", schreibt er. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle er sich. Durch den Rückzug von allen Vereinsposten wolle er Schaden von seinem Verein abwenden. "Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben", betont Hoeneß.  

Das Münchner Landgericht II hatte den Bayern-Manager am Donnerstag wegen der Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro verurteilt. Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl befand, dass Hoeneß' Selbstanzeige unvollständig und deshalb unwirksam sei. Die Verteidigung legte zunächst Revision ein. Sie hatte gefordert, gegen Hoeneß höchstens eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Hoeneß' Verteidiger Hanns W. Feigen wollte mit einem neuen Prozess vor dem Bundesgerichtshofs (BGH) auch eine grundsätzliche Entscheidung: Die Kammer müsse prüfen, wie mit einer "nicht idealen Selbstanzeige" umzugehen ist.


Nun wird es dazu nicht kommen – zumindest nicht ausgehend von Seiten der Verteidigung. Gleichwohl hat auch die Staatsanwaltschaft noch die Möglichkeit, das Urteil anzufechten und vor dem BGH in Berufung zu gehen. "Wir werden darüber Anfang nächster Woche entscheiden", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich. Sollte auch die Strafverfolgungsbehörde auf die Revision verzichten,, wäre die Verurteilung rechtskräftig und Uli Hoeneß müsste seine Haftstrafe antreten.

Hoeneß kann auf Freigängerstatus hoffen

Bis dahin, so teilte es nun das Landgericht München mit, dürften aber noch "einige Wochen" vergehen. "Bevor Hoeneß die entsprechende Ladung zum Strafantritt bekommt, muss zunächst mit der für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist", sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz.

Während der Haft könne Hoeneß dann darauf setzen, nach einiger Zeit einen Status als Freigänger zu bekommen. Titz sagte zu den Voraussetzungen: "Eines ist klar, der Verurteilte muss in Haft erst mal unter Beweis gestellt haben, dass er sich ordnungsgemäß führt und das von ihm keine Fluchtgefahr droht." Sobald er dies unter Beweis gestellt habe, setze der Freigängerstatus dann noch voraus, dass er sozial eingebunden sei und ein geordnetes Leben führe.

Zäsur für den FC Bayern

Für den FC Bayern München bedeutet der Rücktritt ihres Präsidenten eine Zäsur. Seit Jahrzehnten prägt der 62-Jährige den erfolgreichsten deutschen Fußballverein – erst als Spieler, dann als Manager und schließlich als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Als Nachfolger auf seinen Posten sind der langjährige Finanzvorstand und jetzige Vizepräsident Karl Hopfner und der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber im Gespräch. Beide gehören dem mit hochkarätigen Wirtschaftsführern besetzten Aufsichtsrat der FC Bayern München AG an.  

Noch im November 2013 hatte Hoeneß bei einem emotionalen Auftritt auf der Mitgliederversammlung angekündigt, nach dem Prozess die "Vertrauensfrage" zu stellen. "Ich werde mich jedem Votum, das sie treffen, unterwerfen", hatte er damals gesagt. Er wolle ihnen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung "das Recht geben, zu entscheiden, ob ich noch der richtige Präsident für diesen Verein bin". Angesichts des Urteils und der Enthüllungen über seine enormen Steuerschulden ist es dazu nicht mehr gekommen.