ZEIT ONLINE: Herr Bosomworth, Griechenland will zurück an den Kapitalmarkt. Bereits in der kommenden Woche könnte das Land neue Anleihen im Wert von zwei Milliarden Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren ausgeben. Werden Sie auch kaufen?

Andrew Bosomworth: (lacht) Dazu kann ich leider nichts sagen.

ZEIT ONLINE: Okay, anders gefragt: Ist der Zeitpunkt günstig?

Bosomworth: Oh ja, aus meiner Sicht sicher, der Risikoappetit der Anleger ist momentan sehr hoch. Nicht ohne Grund notieren viele Aktienindices gerade auf Rekordniveau. Risikobehaftete Anlagen, wie etwa Aktien, hoch verzinste Wertpapiere oder nachrangige Bankanleihen sind gefragt. Und griechische Staatsanleihen waren in der Vergangenheit nicht gerade risikoarm.

ZEIT ONLINE: Woher kommt die neue Lust auf Risiko?

Bosomworth: Die wirtschaftliche Lage hat sich in einigen wichtigen Ländern deutlich verbessert, die Arbeitslosenquote in den USA sinkt, die Euro-Zone wächst wieder – selbst in Großbritannien sieht es besser aus. Hinzukommt die Unterstützung der Europäischen Zentralbank: EZB-Chef Mario Draghi hat ja gesagt, er werde alles tun, um den Euro zu erhalten. Das Vertrauen kehrt zurück und damit auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

ZEIT ONLINE: Zurück zu Griechenland: Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen lag auf dem Höhepunkt der Krise bei mehr als 30 Prozent. Welche Zinsen wird Griechenland jetzt zahlen müssen?

Bosomworth: Ich denke, die Rendite wird etwa zwischen fünf und sechs Prozent liegen. 

ZEIT ONLINE: Das hört sich nach einem sehr niedrigen Zins an. Wie stark profitiert Griechenland von Draghis Versprechen, den Euro in jedem Fall zu erhalten?

Bosomworth: Natürlich spielt das eine Rolle, es ist aber nicht entscheidend. Griechenland hat seit 2010 eine Menge getan. Kein Land hat innerhalb so kurzer Zeit so viele Strukturreformen umgesetzt. Klar, es gab reichlich Nachholbedarf, trotzdem wurde vieles voran gebracht. Es gibt also gute Gründe, Griechenland wieder mehr Vertrauen entgegenzubringen.

ZEIT ONLINE: Der Schuldenberg ist trotzdem enorm und wirklich wachsen wird die griechische Wirtschaft auch in diesem Jahr nicht. Wie soll das Land seine Schulden langfristig zurückzahlen?

Bosomworth: Das ist in der Tat eine wichtige Frage. Hier müssen wir Investoren genau hinschauen. Im vergangenen Jahr lag der Schuldenstand bei 155 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt – im laufenden Jahr wird er auf 172 Prozent steigen. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert, dass Griechenland die Schulden bis 2018 auf 140 Prozent des BIP drücken kann. Aber auch 140 Prozent sind eine große Herausforderung für ein so kleines Land.

ZEIT ONLINE: Die Schuldenlast ist nicht mehr tragbar?