Sie wird das größte Kreuzfahrtschiff in der Geschichte der Meyer Werft sein: Die Quantum of the Seas misst 348 Meter, das entspricht knapp drei Fußballfeldern. Rund 5.000 Passagiere werden auf dem Giganten Platz finden, dazu kommen noch rund 2.000 Mitarbeiter. Die Investitionssumme ist geheim, mindestens 800 Millionen Euro sind wohl realistisch. Schon im Herbst soll die schwimmende Hotelstadt ihre Jungfernfahrt in die Karibik antreten.

Ihr Highlight: Der North Star, eine komplett verglaste Aussichtskugel an einem langen Schwenkarm, die in 90 Metern Höhe über das Meer ausgefahren wird. Im Windtunnel können Passagiere sogar einen Fallschirmsprung simulieren. Und in einem der fast 20 Restaurants lässt Starkoch Jamie Oliver kochen. 

Quantum of the Seas, das ist die nächste Generation der Kreuzfahrtschiffe. Es wird eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt sein. Allein die Reederei Royal Carribean aus Miami wird in den kommenden Jahren drei dieser Mega-Liner in Betrieb nehmen. Mag in Südkorea eine sinkende Fähre mehrere Hundert Menschen in den Tod reißen und böse Erinnerungen an das Costa Concordia-Unglück vor zwei Jahren wecken: Ein Ende des weltweiten Kreuzfahrtbooms ist nicht in Sicht. Und jetzt, Ende April, beginnt in Europa die Kreuzfahrtsaison.

Die Nachfrage steigt

Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche für Deutschland ein Passagierplus von 9,2 Prozent – ein neuer Rekord.  Der deutsche Markt wächst doppelt so stark wie in anderen europäischen Ländern. Gerade die Deutschen sind inzwischen nahezu kreuzfahrtbesessen: 1,69 Millionen verbrachten ihre Urlaube auf See. Die Anzahl der Passagiere aus Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht. "Wir rechnen damit, dass Deutschland in diesem Jahr zum weltweit zweitgrößten Kreuzfahrtenmarkt aufsteigen wird", sagt ein Sprecher der Kreuzfahrtschiff-Vereinigung Deutschland.

Es mag die Sehnsucht nach einem unkomplizierten Urlaub sein. Aida, bekannt für den roten Kussmund auf der Schiffsspitze, wirbt mit All-inclusive-Angeboten, mit "Mahlzeiten in Buffetrestaurants", Kinderbetreuung und deutscher Reiseleitung. Selbst die Trinkgelder sind schon abgegolten.

Wer es ein wenig exotischer mag, fährt durch den Sueskanal und besucht die Arabischen Emirate. Oder er reist gar an Bord der MS Bremen durch die Eislandschaften der Arktis, auf der Suche nach Eisbären. Kaum eine Region der Welt, in die nicht ein Kreuzfahrtschiff fährt. Irgendwo ist immer gutes Wetter. Die Amerikaner lieben die Karibik, die Europäer ihr Mittelmeer. Allein in Europa gibt es mehr als 528 Zielhäfen für Kreuzfahrer, darunter Klassiker wie Venedig, die griechischen Inseln oder Skandinavien. Im Herbst ziehen die Reedereien ihre Schiffe in Europa ab und verlegen sie in wärmere Regionen wie die Karibik. Die Transferfahrt verkaufen sie gleich auch als Kreuzfahrt. 

Der chinesische Markt ist der neue Hoffnungsträger in der Branche, langfristig könnte er sogar die USA und Europa als wichtigste Regionen ablösen, schätzt das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik aus Bremen (ISL). Ein neues Schiff der Aida-Gruppe wird seine Jungfernfahrt im kommenden Jahr nicht in Europa antreten, sondern in Japan.