Sie holen Essen aus dem Müll und kochen daraus Gratis-Mahlzeiten für die Nachbarn: Aktivisten der "Comida Basura"- (wörtlich: "Junk-Food"-)Bewegung in Madrid (Archivbild). © Dominique Faget/AFP/Getty Images

Wie oft schon haben Sie im Supermarkt nach den frischesten und attraktivsten Äpfeln oder Bananen gesucht? Für Sie als Verbraucher mag das eine intelligente Einkaufsstrategie sein. Aber es bedeutet, dass Tonnen an Früchten und Gemüse vergeudet werden, nur weil sie leichte Schönheitsfehler aufweisen.

Viel zu viele Nahrungsmittel werden weggeworfen. Die Verschwendung in Geschäften, Restaurants und privaten Haushalten ist dabei nur ein Teil des Problems.

Schon auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher gehen riesige Mengen an Nahrung verloren: auf dem Bauernhof, bei Transport und Lagerung sowie der Vermarktung. In vielen Teilen Europas und Zentralasiens untergräbt dies die Ernährungssicherheit. In den Entwicklungsländern werden die sogenannten Nach-Ernteverluste auf bis zu 40 Prozent der Produktion geschätzt. In Europa werden jährlich pro Person rund 280 bis 300 Kilogramm Nahrungsmittel weggeworfen oder gehen entlang der Wertschöpfungskette verloren.

Hunger und Verschwendung zugleich

Weltweit verlieren wir dadurch Jahr für Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel. Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten Weltnahrungsmittelerzeugung. Gleichzeitig hungern rund 842 Millionen Menschen. Sind Hunger und gleichzeitige Lebensmittelverschwendung wirklich noch hinnehmbar?

Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung von heute etwa sieben Milliarden auf rund neun Milliarden Menschen wachsen. Um die zusätzliche Nachfrage nach Nahrung zu stillen, müssen rund 60 Prozent mehr Nahrungsmittel erzeugt werden. Gelänge es uns, die Nahrungsmittelverluste und die Verschwendung nur zu halbieren, ließe sich diese Zahl auf etwa 25 Prozent verringern.

Darüber hinaus schadet die Nahrungsmittelverschwendung der Umwelt in erheblichem Maße. Wer Lebensmittel wegwirft  oder bei der Erzeugung vernichtet, vergeudet wertvolle Energie-, Land- und Wasserressourcen, die zur Herstellung von Nahrung benötigt werden. Auch das Klima leidet. Schätzungsweise 3,3 Gigatonnen an Treibhausgasen entweichen jährlich in die Atmosphäre, weil Lebensmittel produziert werden, die niemals gegessen werden.   

Die Kosten der Lebensmittelverschwendung werden insgesamt auf rund 750 Milliarden Dollar im Jahr geschätzt, legt man die Erzeugerpreise zugrunde. Unter Berücksichtigung der Verbraucherpreise und Umweltkosten dürfte die realistischere Zahl aber viel größer sein.