Eine afrikanische Frau mit ihrem unterernährten Kind © Reuters

Es war ein großer Sturm, der 2008 über die Märkte für Getreide, Feldfrüchte und andere Grundnahrungsmittel hinwegfegte. Eine fatale Kombination aus Dürren, teurem Treibstoff und einer wachsenden Weltbevölkerung ließ die Lebensmittelpreise rasant steigen. Getreide verteuerte sich innerhalb von rund sechs Jahren um fast das Doppelte, auch Milchprodukte wurden deutlich teurer. 2011 kam es zu einem ähnlich krassen Anstieg. Zwar sanken die Preise kurze Zeit später wieder, doch das Niveau aus der Zeit vor den großen Krisen haben sie nie mehr erreicht. Grundnahrungsmittel sind laut den Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) inzwischen mehr als doppelt so teuer wie im Jahr 2000. Eine humanitäre Katastrophe sei das, warnen seit Jahren Hilfsorganisationen. Vor allem für die Menschen in Entwicklungsländern. 

Derek Headey sieht das etwas anders. Steigende Lebensmittelpreise seien mit das Beste, was den Armen auf der Welt passieren konnte, lautet die provokante Thesen des Ökonomen vom International Food Policy Research Institute. Formuliert hat er sie in einem neuen Arbeitspapier. Darin untersucht er, welche Folgen die Preisexplosionen bei Weizen, Mais und anderen Grundnahrungsmitteln für die Menschen in Entwicklungsländern auf der ganzen Welt gehabt haben.

Der Entwicklungsökonom, der seit Jahren über Hunger und Armut forscht, wertete Daten der Weltbank aus, die jedes Jahr in aufwendigen Befragungen die weltweite Armut vermisst. Unter anderem berechnen die Weltbank-Statistiker zum Beispiel, wie viele Menschen von weniger als 1,25 Dollar – gemessen in lokalen Preisen - am Tag leben müssen. In den vergangenen Jahren ist diese Zahl immer weiter gesunken. Das Millenniumsziel, den Anteil der Weltbevölkerung, die in Armut lebt, zu halbieren, auf das sich 189 Länder vor 14 Jahren geeinigt haben, wurde bereits 2010 erreicht. 

Steigende Preise sind gut

Dabei haben die steigenden Lebensmittelpreise eine entscheidende Rolle gespielt, behauptet Derek Headey. Vor allem in den Jahren nach den großen Preisschüben an den Märkten für Weizen, Mais und andere Grundnahrungsmittel ist die Zahl der Armen in vielen Entwicklungsländern deutlich zurückgegangen, zeigen seine Daten. Mit statistischen Tests konnte Headey zeigen, dass zwischen steigenden Lebensmittelpreisen und sinkender Armut tatsächlich ein direkter Zusammenhang besteht. 

Der Grund dafür ist eigentlich offensichtlich, wird in der Diskussion um steigende Lebensmittelpreise bisher aber oft vergessen: Gerade in Entwicklungsländern arbeiten viele Menschen in der Landwirtschaft. Wenn zum Beispiel der Preis für Weizen steigt, wird zwar auf der einen Seite das Brot im Laden teurer, auf der anderen Seite steigt aber auch das Einkommen vieler Kleinbauern. Wie groß dieser Effekt ist, zeigte im vergangenen Jahr eine Studie des Weltbank-Ökonomen Hanan Jacoby. Er hatte in mehreren indischen Bundesstaaten die Auswirkungen von Preisschüben bei Getreide und Feldfrüchten analysiert und festgestellt, dass die meisten Einwohner von den höheren Preisen profitiert haben. Die Einkommen seien gestiegen und die Armut generell zurückgegangen.