Ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland kann sich unerwartete Ausgaben von mehr als 940 Euro nicht leisten. Auf Urlaubsreisen verzichtet aus finanziellen Gründen gut jeder Fünfte (22 Prozent). Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Zahlen basieren auf der Erhebung Leben in Europa (EU-SILC) für 2012, die von Selbsteinschätzungen ausgeht. Demnach ist fast jeder Fünfte in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Das Statistikportal Statista hat auf Basis der Zahlen die obige Infografik für ZEIT ONLINE erstellt.

Im EU-Vergleich schneidet Deutschland aber gut ab. Mehr als 40 Prozent der Menschen innerhalb der Europäischen Union können unerwartete, aber notwendige höhere Anschaffungen oder Reparaturen nicht bezahlen. Mehr als jedem Dritten (39,6 Prozent) fehlt das Geld für eine Urlaubsreise von wenigstens einer Woche.

Auch eine vollwertige Mahlzeit – mit Fleisch, Fisch oder auch vegetarisch – ist in der EU längst nicht für jeden Alltag. Etwa jeder zwölfte Bundesbürger (8,2 Prozent) kann sich dies laut Statistik nicht einmal jeden zweiten Tag leisten. Im EU-Durchschnitt sind es sogar 11 Prozent, die dafür nicht genug Geld haben.

Ein Auto ist für 7,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland finanziell nicht drin. Dieser Anteil ist seit 2008 (5,1 Prozent) kontinuierlich leicht gestiegen. 4,8 Prozent der Haushalte gaben an, ihre Miete oder ihre Rechnungen für Versorgungsleistungen nicht rechtzeitig bezahlen zu können. 2008 sagten das noch 5,6 Prozent.

Besonders extrem ist die Lage für die armutsgefährdete Bevölkerung in Deutschland: 73,2 Prozent können unerwartet auftretende Ausgaben finanziell nicht aus eigener Kraft stemmen. Dieser Anteil ist leicht höher als in der gesamten EU (71,7 Prozent). 57,6 Prozent der von Armut Bedrohten in Deutschland konnten sich keine einwöchige Urlaubsreise leisten. In der EU lag der Wert bei 70,4 Prozent.

Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2011 lag der Schwellenwert für eine allein lebende Person in Deutschland bei 980 Euro im Monat, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.058 Euro. Unter dem Schwellenwert lagen damals rund 16 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, das waren 13 Millionen Menschen. In der EU waren es 85 Millionen Menschen (17 Prozent).