Juni 2011: Gerade noch hat ihr der Bundestagspräsident für die Verleihung der US-Freiheitsmedaille gratuliert, jetzt will Angela Merkel Deutschland die Energiewende verkaufen. Drei Monate sind seit dem Atomunglück von Fukushima vergangenen. Merkel hat Deutschland – und vor allem ihrer Union – kurzerhand einen U-Turn verpasst: Raus aus der Atomkraft, rein in die Erneuerbaren. Und dann sagt sie in ihrer Regierungserklärung diesen Satz, der ihr seit Jahren immer wieder vorgehalten wird: "Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen; heute liegt sie bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde."

Drei Jahre später, im Jahr 2014, liegt die Ökostromumlage bei 6,24 Cent je Kilowattstunde. Die einmal angepeilten 3,5 Cent je Kilowattstunde der Kanzlerin sind in weite Ferne gerückt. Der Grund: Deutschland finanziert den Ökostromumbau über ein Umlagesystem. Wer Ökostrom produziert, erhält dafür eine gesetzlich garantierte Vergütung je Kilowattstunde, so sieht es das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vor. Diese EEG-Umlage wiederum finanzieren alle Stromkunden über eine Abgabe auf jede verbrauchte Kilowattstunde.

Im Jahr 2012 war das sogenannte EEG-Konto – auch wegen des Versprechens der Kanzlerin – extrem unterfinanziert. Deutschland entdeckte den Solarstrom, immer mehr Ökostromproduzenten hatten Anspruch auf Vergütung. Also mussten die Stromnetzbetreiber die EEG-Umlage radikal erhöhen, allein von 2012 auf 2013 um fast die Hälfte. Zugleich bauten sie sich einen finanziellen Puffer auf, die sogenannte Liquiditätsreserve. Mit beeindruckenden 1,6 Milliarden Euro ist das EEG-Konto inzwischen im Plus – so etwas gab es noch nie.


Nach Berechnungen des Berliner Thinktanks Agora Energiewende und des Ökoinstituts könnte dieser Einmaleffekt zur Folge haben, dass die Ökostromumlage in diesem Herbst erstmals nicht steigt. "Wir gehen davon aus, dass die Ökostromumlage bis 2017 relativ konstant bleibt", sagt Patrick Graichen, der Direktor von Agora Energiewende.

EEG-Umlage könnte zum ersten Mal sinken

Tatsächlich könnte es sogar passieren, dass die Umlage sogar zum ersten Mal in ihrer Geschichte sinkt. Graichen schätzt, dass sie im kommenden Jahr im besten Fall nur bei 5,8 Cent je Kilowattstunde liegen könnte. Ein Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden würde so rund 15 Euro im Jahr sparen. "Wind und Solaranlagen sind deutlich billiger geworden und der Ausbau der teuren Biomasse und von Offshore-Windanlagen soll gebremst werden. Das begrenzt die zu finanzierenden Kosten", sagt Graichen.

Beim Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, der mit drei anderen Netzbetreibern einmal im Jahr die Umlage berechnet, hält man die Prognose für plausibel, will aber mit einer Kommentierung bis zum 15. Oktober warten, wenn die Umlagenhöhe endgültig bekanntgegeben wird.