Mehr als 20.000 Windräder drehen sich inzwischen in Deutschland. Kommen ein paar hinzu, ist das normalerweise keine große Sache. Doch am Freitag vergangener Woche war es anders, sorgte die CSU in Sachen Windenergie für Turbulenzen. Sie könnten der Energiewende gefährlich werden.

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner weihte an diesem Tag in Denkendorf nördlich von Ingolstadt fünf neue Dreiflügler ein. Sie sprach von der wichtigen Rolle der Windenergie in Bayern und lobte das Mühlen-Ensemble als ein Vorbild dafür, wie Konsens mit den Bürgern funktioniert. Das war allerdings nur eine Stimme aus den Reihen der CSU. Eine andere ertönte fast zeitgleich 500 Kilometer nordöstlich von Denkendorf, im Bundesrat in Berlin. Dort warb Aigners Kollegin Christine Haderthauer – im bayerischen Landeskabinett für Bundesangelegenheiten zuständig – für ein Vorhaben, das dem Ausbau der Windenergie nach Ansicht von Fachleuten enorm schadet. Nicht nur in Bayern, auch jenseits der Grenzen des Freistaates geht nun die Furcht um, die CSU könne die Energiewende ausbremsen.

Es geht nur um ein paar Federstriche, um einen einzigen Absatz im Baugesetzbuch. Dort soll den Bundesländern die Möglichkeit eingeräumt werden, beim Bau von Windanlagen Mindestabstände zu Wohnhäusern oder anderen "baulichen Nutzungen" vorzuschreiben. Im Vorgriff auf die Regelung hat die bayerische Landesregierung bereits eine Änderung der Landesbauordnung auf den Weg gebracht. Danach müssten Windanlagen in Zukunft einen Mindestabstand vom Zehnfachen ihrer Höhe zu Wohngebäuden einhalten. Moderne Anlagen bringen es auf eine Höhe von 200 Metern, der Abstand zum nächsten Wohngebäude müsste mithin zwei Kilometer betragen. In Bayern würde der Ausbau der Windenergie dadurch fast zum Erliegen kommen. Folgten andere, dichter besiedelte Bundesländer dem bayerischen Beispiel, hätte die Windenergie kaum noch eine Zukunft.

Verheerende Folgen

Für die Energiewende wäre das verheerend. Denn die Rotoren an Land sind nicht nur die ergiebigste Quelle von grünem Strom, sondern obendrein auch die billigste. Sie erzeugen mehr als 40 Prozent aller regenerativ hergestellten Kilowattstunden, verursachen aber nur 20 Prozent der Zahlungen, die das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zu Lasten der Stromkunden auslöst.

Wie viele andere technische Bauwerke treffen die immer höher und zahlreicher werdenden Windanlagen allerdings inzwischen auf Akzeptanzprobleme. Bürgerinitiativen mit Namen wie "Sturm gegen Wind" oder "Störwind" kämpfen mitunter lautstark gegen die "Verspargelung" der Landschaft. Nach eigener Wahrnehmung sind die Windkraftgegner sogar "die größte außerparlamentarische Opposition sei Jahrzehnten". Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer machte sich während des Landtagswahlkampfes im vergangenen Jahr zu ihrem Fürsprecher. Gemeinsam mit Sachsen ergriff Bayern damals im Bundesrat die Initiative für ein Gesetz, das die Errichtung von Windrädern von Mindestabständen zu Wohnhäusern abhängig machen sollte.