Diese Schokolade schmeckt zartschmelzend süß – und nach Verantwortung: Die Milch kommt aus Bayern von einem Biobauernhof, der Kakao von einer kleinen Kooperative in der Dominikanischen Republik, wo die Bauern einen garantierten Mindestpreis erhalten.    

Die Deutschen lieben diese fair gehandelte Schokolade. Gleich 1.000 Tonnen kauften sie im vergangenen Jahr, das entspricht zehn Millionen Schokoladentafeln und einem Plus von 28 Prozent zum Vorjahr. Ob Süßigkeiten, Gemüse, Kaffee oder Blumen: Produkte mit einem Sozialsiegel fristen schon lange kein Nischendasein mehr in Weltläden. Große Supermarktketten räumen Fairtrade-Produkten problemlos ein Regal frei: Aldi Süd erweitert diesen Monat sein Sortiment erneut um zehn weitere Produkte.

Das Siegel für diese Waren vergibt in der Regel Transfair, ein Verein aus Köln. Transfair garantiert, entsprechend den Standards der Organisation Fairtrade International, den Landwirten und Produzenten in Entwicklungsländern ein stabiles Einkommen und soziale Vorsorge. 

Kleinbauern profitieren von garantierten Preisen

Gerade Kleinbauern profitieren vom Fairtrade-Handel, weil sie unabhängiger werden von den Schwankungen der Weltmärkte. Allein 2.000 Produkte tragen inzwischen in Deutschland das Transfair-Siegel. Im vergangenen Jahr kauften die Deutschen von Transfair ausgezeichnete Waren im Wert von mehr als 650 Millionen Euro, ein Zuwachs von 23 Prozent zum Vorjahr.

Fairtrade kommt, man könnte es so sagen, langsam in der breiten Bevölkerung an. Aber das hat Folgen. Das zeigt ein Richtungsstreit zwischen dem Verein Transfair und Europas größtem Händler von Fairtrade-Produkten, dem Unternehmen GEPA aus Wuppertal. Das Unternehmen, vor rund 40 Jahren von den Kirchen und Weltläden gegründet, hat das Fairtrade-Geschäft in Deutschland mitaufgebaut. Rund 1.500 Produkte hat GEPA im Sortiment im Jahr, allesamt nach Fairtrade-Standards produziert.

Wie streng müssen die Standards sein?

Jetzt aber wendet sich der Vorkämpfer von Transfair ab. "Es gibt immer mehr Anbieter auf dem Markt und wir als Pionier müssen uns abgrenzen", sagt GEPA-Sprecherin Brigitte Frommeyer. GEPA fürchtet, dass mit der Masse auch laxere Standards in die Fairtrade-Welt einziehen. Daher verzichtet er schon seit Längerem auf das Transfair-Siegel.

Stattdessen hat der Händler inzwischen ein eigenes Logo entwickelt: "fair Plus". Es steht auf den Produkten, die auch tatsächlich zu hundert Prozent fair produziert und gehandelt sind. Einsteigern in die Fairtrade-Welt will GEPA es aber einfach machen: Auf Basisprodukten wird weiterhin das Transfair-Siegel prangen.