Zwölf Jahre lang war Michael Sommer Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, er war das Gesicht der Arbeitnehmervertretung Deutschlands, saß in gefühlt hundert Talkshows. Jetzt hat ihn Reiner Hoffmann abgelöst. Als Sommer im Jahr 2002 das Amt antrat, stand die deutsche Gewerkschaftsbewegung vor einer Zerreißprobe, die Globalisierung bedrohte sichere Arbeitsverhältnisse, selbst über das Ende des Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde spekuliert. Im Jahr 2003 präsentierte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) seine Agenda 2010 und ignorierte weitgehend die Interessen der Gewerkschaften. Der Einfluss der Arbeitnehmervertreter schrumpfte.

All das spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen des DGB wieder, die das Statistikportal Statista in einer Infografik für ZEIT ONLINE aufbereitet hat. 2002 hatte der DGB über seine acht Mitgliedsgewerkschaften – darunter ver.di und die IG Metall – noch 7,7 Millionen Mitglieder. 2008 waren es nur noch 6,37 Millionen. 

In den vergangenen vier Jahren aber hat sich die Zahl der Mitglieder stabilisiert und liegt bei rund 6,1 Millionen. Das mag auch an der Wirtschaftslage in Deutschland in den vergangenen Jahren liegen: Je schlechter es der Wirtschaft geht – und das war während der Eurokrise der Fall –  desto attraktiver mag eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft sein, man verspricht sich in Krisenzeiten einen sicheren Arbeitsplatz. 

Dass DGB-Chef Sommer den Mitgliederschwund gestoppt hat, ist vielleicht zu viel der Ehr' für den Vorsitzenden eines Gesamtverbands. Aber zumindest hat er dafür mit dafür gesorgt, dass die Mitgliederzahlen nicht noch weiter eingebrochen sind. Und der Gewerkschaftsbewegung mit Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns einen der größten Erfolge der DGB-Geschichte verschafft.