Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff © Sascha Schuermann/Getty Images

Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat offenbar mit der Fast-Food-Kette McDonald’s zusammengearbeitet. Dafür habe er auch Honorare erhalten, berichtet Der Spiegel. Wallraff hatte kürzlich mit seinem Rechercheteam für Aufsehen gesorgt, das Missstände bei Burger King aufdeckte. Wallraff wies allerdings einen Zusammenhang zurück.

Im Jahr 2010 nahm der Journalist demnach an zwei Treffen teil, die von der PR-Agentur von McDonald’s, Burson-Marsteller, organisiert wurden: Einmal habe er 3.000 Euro erhalten, als er bei einer Veranstaltung über "PR und investigativen Journalismus" sprach. Ein anderes Mal habe ihm die Teilnahme an einer Diskussion mit Managern und Gewerkschaftern des Fast-Food-Unternehmens 5.000 Euro eingebracht. Beide Honorare seien an Wallraffs Stiftung überwiesen worden.

2010 stellte sich Wallraff für ein internes Schulungsvideo von McDonald’s zur Verfügung, heißt es weiter. Die Aufnahmen seien dann aber nicht verwendet, das Honorar von 5.000 Euro auf seinen Wunsch an eine hilfsbedürftige Person überwiesen worden. Im Jahr darauf beteiligte sich der Enthüllungsjournalist laut Spiegel an der Ausarbeitung einer internen Befragung der Mitarbeiter von McDonald’s.

Wallraff streitet Befangenheit ab

Wallraff gehörte zu den härtesten Kritikern von McDonald’s. 1985 hatte er sich für sein Buch Ganz Unten als türkischer Arbeiter "Ali" bei McDonald’s eingeschlichen und über gravierende Missstände berichtet. McDonald’s begründete gegenüber dem Spiegel die Zusammenarbeit mit ihm mit dem 25-jährigen Jubiläum des Erscheinens des Buchs. Dies sei zum Anlass genommen worden, auf die Kritiker des Konzerns zuzugehen.

Wallraff sei nach eigenen Angaben in die Recherche bei Burger King eingestiegen, um auf das Vorgehen des Franchisepartners Yi-Ko Holding gegen Betriebsräte aufmerksam zu machen. Bei einer Protestveranstaltung gegen Burger King am vergangenen Mittwoch in Essen habe Wallraff gesagt, McDonald’s habe seit Jahren "die besseren Standards". 

Der Enthüllungsjournalist bestreitet, bei einer Recherche befangen gewesen zu sein. Die Honorarzahlungen und eine Kooperation mit dem Unternehmen stünden in keinem Zusammenhang mit den jüngsten Vorwürfen gegen Burger King, sagte Wallraff dem Kölner Stadt-Anzeiger. Das Thema sei nicht von ihm, sondern von einem Mitarbeiter seines Teams vorgeschlagen worden. Er sehe "nichts Verwerfliches darin, Honorare, die andere in der Regel für sich beanspruchen, an eine wegen ihrer Meinungsäußerung gekündigte Betriebsrätin weitergeleitet zu haben oder für gemeinnützige Stiftungszwecke zu verwenden".