Deutschland soll laut Internationalem Währungsfonds (IWF) radikal in seine Infrastruktur investieren. "Gerade öffentliche Investitionen, insbesondere in Infrastruktur, sind nötig", heißt es in einem Länderreport, den der IWF am Montag in Berlin vorstellte.

Bis zu jährlich 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts könne Deutschland relativ problemlos in den kommenden vier Jahren in Infrastrukturprojekte investieren, ohne Stabilitätsregeln zu reißen. Das entspricht etwa 14 Milliarden Euro jährlich. Mit diesen Investitionen würde Deutschland den Aufschwung in der Euro-Zone unterstützen, so die Fachleute.

Die geplante Rentenreform der Bundesregierung kritisiert der IFW dagegen: Weder sei sicher, dass sie Wachstumseffekte habe noch könne man negative Effekte in anderen Bereich ausschließen. Die Pläne seien "besonders teuer" und könnten in manchen Bereichen sogar den Arbeitskräftemangel anheizen.

Die geplante Einführung des Mindestlohns halten die Ökonomen aus Washington für sinnvoll, er könne zum Abbau von Ungleichheit beitragen. Allerdings mahnen sie, bei künftigen Erhöhungen mögliche negative Beschäftigungsauswirkungen in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen.

"Der Aufschwung in Deutschland wird voraussichtlich weiter an Stärke gewinnen", sagte die IWF-Studie voraus. "Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass wir unsere Wachstumsprognosen erhöhen", ergänzte eine Expertin des Fonds. Deutschland bleibe damit an der Spitze der Entwicklung in der Euro-Zone. Trotzdem könnte das Land mehr tun, um seine Rolle als Stabilitätsanker in Europa zu stärken. 

Einmal im Jahr beurteilt der IWF die Wirtschafts- und Finanzpolitik seiner Mitgliedsstaaten. In seiner Prognose vom April hatte der IWF für die Bundesrepublik ein Wachstum von 1,7 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt. Die Regierung rechnet in ihrer vor wenigen Wochen veröffentlichten Frühjahresprojektion mit einem Anstieg der deutschen Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent in diesem und 2,0 Prozent im nächsten Jahr. Hoffnungen auf eine günstige Entwicklung hatte auch das Wachstum im ersten Quartal geschürt, das kräftige 0,8 Prozent, gemessen am Vorquartal, betragen hatte.