Es waren große Worte der Kanzlerin: "Die Jugendarbeitslosigkeit ist derzeit das vielleicht drängendste europäische Problem", sagte Angela Merkel im Juli vergangenen Jahres. "Und wenn es Missstände gibt, dann ist es die Aufgabe von Politikern, etwas gegen sie zu tun." Es dürfe keine verlorene Generation geben. 

Den jungen Menschen in Europa sollte geholfen werden. Im Juni und November 2013 beschlossen Merkel, Frankreichs Staatschef François Hollande und andere europäische Staats- und Regierungschefs deshalb mit großem Tamtam ein Programm gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa. 

Aber was ist daraus geworden? Knapp ein Jahr später verkümmern die Initiativen in den Mühlen der nationalen und europäischen Bürokratie. Darüber hinaus leidet das Sonderprogramm der Bundesrepublik zur "Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa" (MobiPro-EU) nicht nur unter einem finanziellen Engpass. Die unterschiedlichen Vorstellungen von deutschen Arbeitgebern und ausländischen Bewerbern führen zu Frust und hohen Abbruchquoten.

Ortstermin in Seine-Saint-Denis, einem Département nördlich von Paris. Mit seiner Postleitzahl, die mit "93" beginnt, ist es frankreichweit wegen seiner hohen Einwanderer- und Arbeitslosenquoten sowie Unruhen in den Banlieues verschrien. "Wir zählen rund 18.000 jugendliche Erwerbslose", klagt Stéphane Troussel, Präsident des Verwaltungsrats von Seine-Saint-Denis. Er war deshalb froh, als sich sein Département für die Maßnahmen qualifizierte, die Merkel, Hollande & Co. 2014 und 2015 mit zusätzlich sechs Milliarden Euro aus nicht abgerufenen Mitteln des Europäischen Sozialfonds fördern wollten. 

Die Mühlen der Bürokratie

Doch seither herrscht Stillstand. "Wir entscheiden nicht allein", sagt Troussel lakonisch. Von den EU-Staaten, die ein Anrecht auf den jährlich mit zehn Milliarden Euro ausgestatteten Europäischen Sozialfonds beziehungsweise auf die zusätzlich für die Jahre 2014 und 2015 versprochenen insgesamt sechs Milliarden Euro aus der so genannten Youth Employment Initiative (YEI) haben, schlossen nach Angaben der EU-Kommission bisher lediglich Dänemark, Deutschland, Griechenland und Polen die notwendigen Partnerschaftsabkommen mit Brüssel ab.

Diese Abkommen sind notwendig, damit die EU Mittel freigibt. Gleichzeitig ist ein Eigenanteil der einzelnen Länder für die Programme gegen Jugendarbeitslosigkeit gefordert. Im Rahmen der YEI hat Frankreich zum Beispiel dieses Jahr theoretisch Zugriff auf 289,76 Millionen Euro. Das Land muss aber den gleichen Betrag aus eigenen Töpfen oder Mitteln des Europäischen Sozialfonds zuschießen.

Ursprünglich wollte das französische Arbeitsministerium seine Programme bis spätestens Mai in Brüssel validieren lassen. Eine Anfrage von ZEIT ONLINE zum Zeitplan oder den Ursachen der Verzögerung ließ das Arbeitsministerium unbeantwortet. "Das ist die europäische Bürokratiemaschine", seufzt Troussel. Er hofft, dass das Prozedere nun im Juli abgeschlossen werden kann und ein Teil des Geldes noch vor Ablauf des Jahres fließt.

2,9 Millionen Euro soll Seine-Saint-Denis aus dem YEI-Topf erhalten, dazu zwischen 2014 und 2020 noch einmal den gleichen Betrag aus dem Europäischen Sozialfonds. Bis es soweit ist, bezahlt das Département Sprachkurse für Einwandererkinder und berufsqualifizierende Bildungsabschlüsse aus eigener Tasche und fördert darüber hinaus aussichtsreiche Ideen junger Unternehmensgründer.

Kummer mit der Bürokratie sind auch jugendliche Arbeitslose in Portugal gewohnt. Edgar Ferreira zum Beispiel. Der Bauingenieur wollte im Rahmen der sogenannten Jugendgarantie von den Versprechen der Staats- und Regierungschefs profitieren. Die Jugendgarantie sieht vor, dass alle jungen Menschen unter 25 innerhalb von vier Monaten nach Abschluss ihrer Ausbildung oder nachdem sie arbeitslos geworden sind, eine Arbeitsstelle, einen Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine Fortbildung erhalten.