Wenn uns jemand eine Sache als "sicher" verkauft, sollte man hellhörig werden. So ist es auch bei dem Reformpaket, das die Bundesregierung nun für die Lebensversicherer geschnürt hat und noch vor der Sommerpause absegnen will: Geht das Gesetz durch den Bundestag, werden die Garantiezinsen für neue Verträge auf 1,25 Prozent sinken und die Ausschüttungen werden für demnächst auslaufende Policen begrenzt. "Mit den Plänen sollen die zugesagten Garantieleistungen gesichert werden", heißt es aus Berlin. Von einer "Stärkung der Risikotragfähigkeit" ist auch die Rede. Das klingt, als sei dieses Paket auch gut für die Kunden, die mit Kapitallebens- und Rentenversicherungen fürs Alter sparen. Als brächte es mehr Sicherheit für die Verträge, von denen es hierzulande immerhin 95 Millionen gibt. Tatsächlich aber ist das mit der Sicherheit so eine Sache.

Sicherheit bedeutet sorglos zu sein und keine unwägbaren Risiken einzugehen. Und genau davon können Lebensversicherte seit geraumer Zeit nur noch träumen. Eigentlich wissen wir ja längst, dass es wirkliche Sicherheit gar nicht gibt. Das gilt für viele Bereiche des Lebens, für die Kapitalmärkte aber erst recht und ganz besonders, wenn es um das Thema Altersvorsorge geht. Wer weiß schließlich, wie viel er heute schon sparen muss – und womit er überhaupt sorglos sparen kann – um später lange genug davon leben zu können? Es gab ein Produkt, das lange diese Sicherheit vorgaukelte und sie auch schon im Namen trug: die Versicherung.

Jahrzehntelang waren sie das Produkt der Wahl für Sparer, die auf lange Sicht zusätzliches Geld für die Rente zu attraktiven Konditionen anlegen wollten. Sechs oder mehr Prozent Rendite pro Jahr waren keine Seltenheit, fünf Prozent waren Marktdurchschnitt. Mit der meist sechsstelligen Auszahlung aus einer Lebensversicherung war man früher bei Pensionseintritt ein gemachter Mann. Wer 30 Jahre lang monatlich 100 Euro sparte, konnte sich zuletzt über rund 115.000 Euro freuen. Jetzt gilt das längst nicht mehr, heutige Sparer bekommen später maximal noch die Hälfte. Vermutlich aber nicht einmal mehr das. Denn die Verzinsung der Verträge sinkt und sinkt. 

Die Politik das Problem selbst verschuldet

Deshalb greift die Politik den Versicherern jetzt unter die Arme, so jedenfalls sieht sie die Reform. Denn die Unternehmen haben seit einer Weile ein Problem: Sie leiden unter den winzigen Zinsen der Notenbanken, wegen derer sie das Kapital ihrer Kunden kaum noch lukrativ anlegen können. Gleichzeitig haben sie in den späten neunziger Jahren Millionen Versicherten üppige Garantiezinsen von vier Prozent versprochen. Diese Last wiegt nun schwer, denn so hohe Renditen können sie selber kaum noch erwirtschaften. 

Neuen Kunden sollen sie deshalb in Zukunft weit weniger versprechen, eben nur noch 1,25 Prozent pro Jahr, sagt der Gesetzentwurf. Und auch stille Reserven, die entstehen, wenn langfristige Anlageprodukte zwischenzeitlich am Markt mehr wert sind, als in den Büchern steht, sollen sie nicht mehr an scheidende Kunden ausschütten müssen, damit das Geld für die noch laufenden Verträge weiter zur Verfügung steht. Das soll mehr Generationengerechtigkeit zwischen den älteren und jüngeren Versicherten schaffen.

Beide Probleme, mit denen die Branche ringt, haben die wechselnden deutschen Regierungen selbst verschuldet – sowohl die Notenbankzinsen als auch die Regeln zu den Bewertungsreserven. Tatsächlich also stopft die Politik damit nur ein Loch, das sie selber gerissen hat.