Der frühere Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, hat die Herausgabe einer 180.000 Euro teuren Festschrift für seinen Mentor Mark Wössner auf Kosten des Handelsriesen verteidigt. Middelhoff sagte vor dem Essener Landgericht, die Festschrift und die damit verbundene Festveranstaltung seien für das Handelsunternehmen ein voller Erfolg gewesen.

Sie seien aus Imagegründen wichtig gewesen. Außerdem sei es dem Konzern nicht zuletzt dadurch gelungen, die Druckkosten für die Quelle-Kataloge bei Bertelsmann deutlich zu senken.

Von der Staatsanwaltschaft war die Veranstaltung als persönliches Geschenk des Managers an den ehemaligen Bertelsmann-Chef Wössner bewertet worden.

Die Anklagebehörde wirft Middelhoff vor, den inzwischen pleite gegangenen Handelskonzern zu Unrecht mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen und Hubschraubern, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise nicht dienstlich veranlasst waren. Middelhoff weist alle Vorwürfe zurück. 

Middelhoff war 2004 in den Aufsichtsrat von Arcandor eingetreten, ein Jahr später stieg er zum Vorstandsvorsitzenden auf. 2009 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden – kurz nachdem Middelhoff die Führung abgegeben hatte. Bis heute beschäftigt die Pleite des Konzerns die deutsche Justiz, der Prozess gegen den früheren Chef ist nur einer von vielen.