TTIP? TTIP! Es ist schon faszinierend, welche Karriere diese vier Buchstaben gemacht haben. Noch vor ein paar Wochen ahnte kaum jemand, was TTIP bedeutet. Nun aber wissen nicht nur immer mehr Menschen, dass sich hinter den vier Buchstaben das Handelsabkommen versteckt, über das EU-Kommission und die amerikanische Regierung verhandeln. Es wächst auch von Woche zu Woche die Zahl der Kritiker. Inzwischen protestieren eine Vielzahl von Verbänden, neben Umweltgruppen und Gewerkschaften auch Krankenkassen und Künstler. Und sogar der katholische Bischof Marx hat gerade erst öffentlich vor möglichen Folgen von TTIP gewarnt.

So vielfältig sind die Mahnungen, dass endlich auch der Bundestag eine Debatte zum Thema angesetzt hat und am Donnerstag über TTIP diskutiert. Die ist dringend nötig. Doch mindestens ebenso interessant ist die Frage: Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte etwas, das noch gar nicht da ist, schon so viel Protest hervorrufen?

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, dessen Ministerium in Deutschland für TTIP zuständig ist, antwortete auf diese Frage kürzlich unverblümt: Da müssen wohl Fehler gemacht worden sein.

Verhandlungen nach alter Manier

Tatsächlich speist sich der Ärger um das Handelsabkommen gleich aus zwei Quellen: Aus dem, WAS da verhandelt wird. Aus den durchaus berechtigten Sorgen, dass TTIP uns amerikanischen Genmais und Chlorhühnchen bringen könnte. Dass es ein Angriff auf unser Rechtssystem, die Aushebelung des Sozialsystems und das Aus vieler Umweltgesetze bedeutet.

Doch der Ärger hat auch viel damit zu tun, WIE verhandelt wird. Denn da läuft fast alles falsch. Die TTIP-Verhandler sitzen in Brüssel und Washington. Es sind kluge, erfahrene Handelspolitiker, nur verhalten sie sich leider so, als ob sie noch im 20. Jahrhundert lebten. Damals reichte es, wenn sie still und leise die wichtigsten Branchenvertretern konsultierten, dann ein paar Wochen hinter verschlossenen Türen miteinander stritten und am Ende der desinteressierten Öffentlichkeit ein paar Zollsenkungen präsentieren. Fertig war der Handelspakt.

Doch heute geht das nicht mehr so. Moderne Handelsverträge verändern eben nicht nur ein paar Zölle und damit die Bedingungen für ein paar Unternehmen. Sie verändern Gesellschaften. Wer heute den Export seiner Wirtschaft steigern will, muss Regeln, Gesetze und Prüfverfahren angleichen. Er wird also unweigerlich tief in Traditionen eingreifen.