Verkehrsminister Alexander Dobrindt (Archivbild) © Adam Berry/GettyImages

Nach Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe gegen den Technikchef des Berliner Hauptstadtflughafens BER will die Bundesregierung offenbar die Baukosten künftig extern kontrollieren lassen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) poche wegen der jüngsten Turbulenzen um den Flughafen darauf, eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu beauftragen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Diese solle "direkt und ausschließlich an die Eigentümer" berichten.

Seine Pläne habe Dobrindt am Mittwoch in einer internen Besprechung mit seiner Führungsmannschaft kundgetan. Nach dem Willen Dobrindts soll die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft künftig die Projektfortschritte begleiten und den Kostenrahmen sowie die Vergabe weiterer Aufträge kontrollieren.

Noch vor der Sondersitzung des Aufsichtsrats an diesem Montag wolle sich Dobrindt dafür die Zustimmung der Eigentümer der Flughafengesellschaft holen. Das Gremium wird sich unter Vorsitz des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) mit den Vorwürfen gegen den mittlerweile suspendierten BER-Technikchef Jochen Großmann beschäftigen.

Großmann wird vorgeworfen, bei der Vergabe millionenschwerer Aufträge Unternehmen bevorzugt zu haben, zu denen er wirtschaftliche Verbindungen hat. Die Affäre setzt auch Flughafenchef Hartmut Mehdorn unter Druck, der vor dem Aufsichtsrat berichten soll. Die Fertigstellung des milliardenteuren Flughafens hat sich wegen einer Serie von Bau- und Planungsfehlern bereits um Jahre verschoben, der Zeitpunkt der Eröffnung ist ungewiss.

Die aktuellen Kosten liegen bei 4,6 Milliarden Euro. Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass der Hauptstadtflughafen noch teuer als geplant werden und bis zu acht Milliarden Euro kosten könnte. Ursprünglich waren zwei Milliarden Euro veranschlagt.