Argentinien hat wieder einmal Zeit gewonnen. Zwar steht das Land kurz vor einem technischen Zahlungsausfall. Die Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner hat es nicht geschafft, sich vor Ablauf einer vom New Yorker Richter Thomas Griesa gesetzten Frist mit den Hedgefonds zu einigen, die 1,5 Milliarden Dollar von dem Land fordern. Dadurch sind auch die Zahlungen an andere Gläubiger blockiert. Doch es müssen noch einmal 30 Tage vergehen, bis die maßgeblichen internationalen Ratingagenturen das als Staatsbankrott werten. Es ist eine Gnadenfrist.

Kirchner und ihr Wirtschaftsminister Axel Kicillof spielen auf Zeit, und sie haben auch keine andere Wahl: Zahlen sie die Hedgefonds aus, werden auch andere Gläubiger Forderungen erheben. Eine bis zum 31. Dezember 2014 geltende Klausel in den argentinischen Anleiheverträgen verpflichtet das Land, sie alle gleich zu behandeln. Erhalten die Hedgefonds den Nennwert ihrer Anleihen zurück, werden andere dasselbe verlangen.

Doch alle Ansprüche zu erfüllen, kann Argentinien sich unmöglich leisten. Möglicherweise kommt also die Pleite, so oder so.

Dabei hat Kirchner in den vergangenen Jahren viel getan, um das Vertrauen der internationalen Kapitalmärkte zurückzugewinnen. Sie einigte sich mit dem Pariser Club, dem Verein der Schuldnerstaaten, und sie bedient verlässlich jene 93 Prozent der Anleihen, die Argentinien nach seiner Pleite im Jahr 2002 umstrukturiert hat.

Die Fonds bleiben stur

Das Problem sind die sieben Prozent der Gläubiger, die keine Umschuldung akzeptierten. Sie haben das Recht auf ihrer Seite. Dabei ist ihr Handeln, moralisch gesehen, durchaus verwerflich. Die Hedgefonds kauften argentinische Staatspapiere zu Schrottpreisen, als schon längst klar war, dass Argentinien seine Schulden nicht würde bedienen können. Sie waren auf möglichst hohe Renditen aus. Heute könnte ihr Beharren auf Rückzahlung die argentinische Wirtschaft, die ohnehin am Rande einer Rezession entlangschrammt, erneut in eine tiefe Krise stürzen. Sie pochen trotzdem unbeeindruckt auf die Einhaltung der Verträge.

Die Fonds bleiben stur, obwohl sie mit dem Totalverlust rechnen mussten. Als Argentinien die Anleihen ausgab, um die man sich jetzt in New York streitet, musste es exorbitante Zinsen zahlen, um überhaupt noch Abnehmer zu finden. Das Land hatte kein Geld mehr. Nur regelmäßige Hilfspakete des Währungsfonds bewahrten es noch vor der Pleite, und allein wegen der Höhe der Zinsen war klar: Lange würde das nicht mehr gutgehen.