Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner © Reuters

Argentiniens Schuldenkrise schaffte es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Dort drückten Aktivisten vor ein paar Tagen den Besuchern Protestplakate in die Hand, auf denen stand: "Die Welt schreit mit Argentinien: Geier raus aus Lateinamerika!" Auch Fußballfans aus Deutschland ließen sich mit den Slogans fotografieren. Ob alle verstanden, worum es ging, ist nicht überliefert.

Geholfen hat die internationale Solidarität nicht. Argentinien bleibt nur wenig Zeit, um eine ausstehende Schuld von rund 1,3 Milliarden Dollar plus Zinsen zu begleichen. Es ist der Gegenwert von Anleihen, die das Land seit seiner Pleite 2002 nicht mehr bedient, umgerechnet rund sieben Prozent der damaligen Staatsschulden. Den Rest hat Argentinien vor Jahren erfolgreich umstrukturiert.

Die Mehrzahl der Gläubiger akzeptierte damals die Konditionen. Es ist die Minderheit der Verweigerer, die das Land jetzt an den Rand eines erneuten Bankrotts bringt. Sie sind ein Grund dafür, dass Argentinien seine damalige Pleite immer noch nicht überwunden hat.

Die "Geier" sind im konkreten Fall zwei Investmentfonds, die seit Jahren gegen Argentinien klagen. Sie hatten die Papiere nach der Staatspleite weit unter ihrem Wert gekauft, zu einer Zeit, in der das Land alle Mühe hatte, sich überhaupt auf den Beinen zu halten. Es war eine Wette darauf, dass Argentinien seine Schulden irgendwann doch in voller Höhe würde zurückzahlen müssen.

Kirchner will "Geier" nicht auszahlen

Leichenfledderei, empört sich die argentinische Regierung. Doch das Oberste Gericht der USA scherte sich nicht um den Spekulationsvorwurf und gab den Investoren Recht. Weil die umstrittenen Staatspapiere einst unter US-Recht ausgegeben wurden, ist das Urteil verbindlich.

Die Regierung von Cristina Kirchner weigert sich dennoch zu zahlen. Bleibt sie dabei, könnte Argentinien erneut bankrottgehen. Es ist eine ganz praktische Gefahr. Denn obwohl Argentinien die umstrittenen Staatsanleihen nicht mehr bedient, zahlt es den anderen Investoren seit Jahren Zinsen. Die Geldflüsse werden über New Yorker Konten abgewickelt, und die nächste Rate ist am 30. Juni fällig. Leistet Cristina Kirchner dem aktuellen Urteil bis dahin nicht Folge, kann die US-Justiz die Zinszahlungen stoppen.

Schon das wäre technisch gesehen ein Zahlungsausfall. Zusätzlich könnten weitere Investoren sich auf das aktuelle Urteil berufen und ihre Forderungen geltend machen. Angeblich geht es um zwei- bis dreistellige Milliardensummen, zahlbar in Dollar. So viel Geld hat Argentinien auf keinen Fall. Je nach Quelle liegen die Währungsreserven des Landes zwischen 22 und 28 Milliarden Dollar. Das ist ungefähr so viel, wie die Hedgefonds von Paul Singer, einem der siegreichen Kläger, an Vermögen verwalten.

Der aktuelle juristische Streit macht überdeutlich, wie sehr die Pleite von 2002 Argentinien immer noch belastet. Das liegt zum Teil an den Hedgefonds, die unerbittlich auf ihrem Geld beharren. Unter anderem wegen des ungelösten Streits mit ihnen hat Argentinien immer noch keinen Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Niemand will dem Land Dollar-Kredite geben. Doch Devisen sind genau das, was Argentinien gerade dringend bräuchte, etwa um seine Erdöl- und Gasreserven zu entwickeln oder in andere Industrien zu investieren.

Das Land steht am Rand einer Rezession. Der jahrelange Wirtschaftsboom, angeheizt durch die hohe Nachfrage Chinas nach Agrarprodukten, die hohen Welt-Nahrungsmittelpreise und den Kursverfall des argentinischen Pesos, ist vorbei. Die Wirtschaftsleistung schrumpft.