Im Streit um Zigarettenrauch in einem Düsseldorfer Mietshaus muss ein rauchender Rentner nach 40 Jahren seine Wohnung räumen. Das hat das Landgericht entschieden und die Berufung des 75-Jährigen zurückgewiesen. Die Räumung soll bis Jahresende erfolgen.

Wegen "unzumutbarer Belästigung" seiner Nachbarn durch Tabakrauch war dem Rentner Friedhelm Adolfs der Mietvertrag fristlos gekündigt worden. Das Amtsgericht hatte die Kündigung im vergangenen Sommer als rechtens eingestuft. Doch dann hatte das Landgericht als Berufungsinstanz erkennen lassen, dass es diese Entscheidung für falsch hält. Nach Anhörung zahlreicher Zeugen revidierte es diese Einschätzung nun.

Das Gericht befand, dass das Rauchen eines Mieters in seiner Wohnung kein vertragswidriges Verhalten ist und er deshalb auch nicht gekündigt werden könne. Adolfs habe jedoch einen schwerwiegenden Pflichtverstoß begangen: Der Rentner habe nicht versucht zu verhindern, dass Zigarettenrauch in den Hausflur zieht. Er habe die Geruchsbelästigung sogar noch gefördert, indem er seine Wohnung unzureichend gelüftet und seine zahlreichen Aschenbecher nicht geleert habe. Nach der Beweisaufnahme waren die Richter zudem überzeugt, dass die Vermieterin den Rentner im Jahr 2012 mehrfach mündlich abgemahnt hatte.

Das Landgericht ließ allerdings die Revision gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof zu. Damit wollen die Richter eine grundsätzliche Klärung der Frage ermöglichen, ob Zigarettenrauch innerhalb eines Mehrfamilienhauses einen Kündigungsgrund darstellen kann.

Der Fall Adolfs – ein Politikum

Nachdem der Nichtraucherschutz in Nordrhein-Westfalen verschärft worden war, wurde das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts kontrovers diskutiert. Raucher sahen darin ihre Freiheit eingeschränkt, der Fall Adolfs wurde zu einem bundesweit beachteten Politikum. Adolfs war durch das Verfahren seinem Anwalt zufolge zum "zweitbekanntesten Raucher nach Helmut Schmidt" geworden.

Der pensionierte Hausmeister trat bei Raucherdemonstrationen auf und erhielt viel Zuspruch – einige seiner Sympathisanten spendeten ihm Geld für die Prozesskosten.