Im Streit mit der EU will der Bundestag das neue Ökostrom-Gesetz auf der Zielgeraden noch retten. Am Dienstagmorgen traf sich der Energie- und Wirtschaftsausschuss zu Beratungen über die von der EU-Kommission geforderten Änderungen, die noch bis zum Abend in den Gesetzentwurf eingearbeitet werden sollen. Zuvor hatten sich die Parteispitzen von CDU, CSU und SPD im Kanzleramt getroffen. Der Gesetzentwurf zum Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) muss von der EU-Kommission gebilligt werden, da sonst milliardenschwere Rabatte für die Industrie auf die Ökostrom-Umlage nicht mehr gewährt werden können. Deutschland steht unter Zeitdruck: Die EU verlangt laut Wirtschaftsministerium noch für den heutigen Dienstag eine Vorlage.

Die Opposition zeigte sich empört und beantragte eine Vertagung der Ausschuss-Sitzung. "Das ist ein unglaublicher Vorgang", sagte Grünen-Vize-Fraktionschef Oliver Krischer. Eine echte Beratung sei so nicht möglich. Erst am Nachmittag wolle die Regierung rund 200 Seiten an Formulierungshilfen liefern. "So etwas habe ich noch nie erlebt, eine Missachtung des Parlaments", sagte er. "Das Gesetz wird so vom Prestigeobjekt zur Bankrotterklärung der Regierung." Eine Vertagung wird es wohl nicht geben, da die Opposition aus Grünen und Linken im Parlament deutlich in der Minderheit ist.

Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake hatte nach einem Treffen mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia neue Forderungen der Kommission mitgebracht. Diese hatte etwa Einwände gegen die bislang geplante Ungleichbehandlung von neuen und alten Anlagen zur Ökostrom-Eigenproduktion erhoben. Die schwarz-rote Bundesregierung will Altanlagen als eine Art Bestandsschutz weiterhin von der EEG-Umlage ausnehmen, während Neu-Anlagen etwas bezahlen sollen. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs sieht allerdings keinen akuten Handlungsbedarf. Die EU-Kommission habe dafür eine dreijährige Übergangsfrist eingeräumt.

In einem anderen Punkt sieht die Bundesregierung derzeit keine Einigungsmöglichkeit, da sonst die deutsche Ökostrom-Förderung über eine Umlage generell vor dem Aus stünde. So verlangt die EU einem Papier des Wirtschaftsministeriums zufolge, importierten Strom aus dem Ausland von der Umlage auszunehmen. Das sei bisher nicht der Fall gewesen und rechtlich nicht umsetzbar. In den Gesetzentwurf soll nach Angaben aus Koalitionskreisen aber ein Kompromisssignal an die EU gesendet werden.

Dass es überhaupt zu den neuen Auseinandersetzungen mit der EU gekommen ist, wurde auch in Regierungskreisen mit Verwunderung und Verärgerung aufgenommen. Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Monaten permanent mit Brüssel verhandelt, um das Ökostrom-Gesetz mit den Bedingungen der Kommission in Einklang zu bringen. Im April verkündete Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Erfolg, woraufhin der Gesetzentwurf im Bundeskabinett beschlossen wurde.

Am Freitag soll die Novelle des EEG den Bundestag passieren.