Wenn die Zeiten schlecht sind und die Aussichten noch schlechter, streiten in unseren Köpfen meistens zwei gegenläufige Instinkte. Der eine, menschliche, lässt uns enger zusammenrücken, uns gegenseitig helfen, unterstützen und das, was wir haben, mit anderen teilen. Der zweite, wenn man so will niederere Instinkt grenzt uns vom Elend der anderen ab. Er macht uns rücksichtslos und frei von Mitgefühl. Was zählt ist das eigene Überleben. Teilen, helfen, unterstützen bedeutet am Ende lediglich: Ich muss verzichten.

Welche Empfindungen sich am Ende durchsetzen, damit haben sich drei amerikanische Ökonomen auseinandergesetzt. In einer Studie haben sie mithilfe von Laborexperimenten untersucht, ob und wie sich das menschliche Verhalten, der Gemeinschaftssinn in Krisenzeiten verändert.

Und von Krisen hatte die Welt ja in den vergangenen Jahren genug. Die Lehman-Pleite und die darauf folgenden Finanzkrise stürzte die halbe Welt in eine tiefe Rezession. Auch die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone wurde zumindest zu einem Teil durch die weltweite Finanzkrise ausgelöst. Die DZ Bank errechnete im vergangenen Jahr die Kosten: Die Weltwirtschaft hat demnach 3,8 Billionen Euro verloren – Deutschland allein 500 Milliarden Euro. Die Notenbank von Dallas errechnete für die Vereinigten Staaten einen Schaden von 20.000 Dollar – pro Kopf.

Für die Forscher hat dies einiges einfacher gemacht. Denn eine solche ökonomische Katastrophe hätten sie niemals unter kontrollierten Bedingungen im Labor nachstellen können. Um den Einfluss der Krise auf die Präferenzen der Menschen auszuwerten, konnten sie jetzt aber einfach ein Experiment, das vor der Krise robuste Resultate brachte, während der Krise wiederholen. Ein Unterschied in den Daten wäre dann auch ein Hinweis auf eine Krise in den Köpfen.

Das Diktatorspiel

Für ihre Untersuchung luden die Forscher Raymond Fisman, Pamela Jakiela und Shachar Kariv in den Krisenjahren 2010 und 2011 Studenten in das sozialwissenschaftliche Labor der Universität Berkeley ein. Dort spielten die mehr als 200 Probanden das sogenannte Diktatorspiel gegeneinander. Das Spiel hat einfache Regeln: Die Teilnehmer werden paarweise zusammengelost, der Zufall entscheidet, wer jeweils der Diktator im Spiel ist. Dieser bekommt eine gewisse Zahl an Spielmünzen, die nach dem Experiment in echtes Geld getauscht werden können.

Der Diktator hat jetzt die Aufgabe, das Geld aufzuteilen, ohne Vorgaben und ohne die Möglichkeit des Mitspielers, darauf Einfluss zu nehmen. Die Ökonomen bauten in diesen Vorgang zufällig generierte Kosten ein. Mancher Diktator konnte so eine Münze abgeben und sein Mitspieler bekam auch eine gutgeschrieben. Andere mussten für die gleiche Menge zwei Münzen abgeben oder nur eine halbe. Damit variierten die Forscher den Preis für die diktatorische Umverteilung.