Große Worte werden sich wohl alle Gäste dieser Beisetzung gespart haben. Denn die waren auch Karl Albrechts Sache nicht. Vermutlich gab es nicht einmal einen Redner, der über das Leben des Aldi-Gründers, immerhin einer der reichsten Männer der Welt, gesprochen hat. Denn er selbst hat auch nie viele Worte über sein Aldi-Imperium, sein Vermögen oder gar die Familie verloren. Absolute Verschwiegenheit und Sparsamkeit, das war bei Karl und seinem Bruder Theo Albrecht die Devise. Die beiden Aldi-Gründer haben sich daran gehalten. Bis in den Tod.

Die Welt musste bis zuletzt gar über das genaue Geburtsdatum des 94-jährigen Karl Albrecht spekulieren (der Februar 1920 wird angenommen). Selbst der Ort seiner Geburt ist nicht wirklich bekannt (vermutlich Essen). Nur wo Karl Albrecht seine letzte Ruhe finden wird, sickerte bereits durch: 1997, kurz nachdem er sich aus der Geschäftsleitung zurückgezogen hatte, kaufte er zwei Grabstellen für damals 69.000 Mark – ganz unprätentiös und bodenständig auf dem städtischen Friedhof in Essen.

Dort ruht seit dem Jahr 2010 auch sein Bruder, umrankt von Rhododendren und Eiben, die – und das ist laut Medienberichten kein Witz – aus einem Grünzeug-Sonderangebot des eigenen Discounters stammen. Und wie es sich für die Aldi-Chefs gehört, die ihr Imperium bereits zu Lebzeiten entlang des Aldi-Äquators Ruhr in Aldi-Nord (Theo) und Aldi-Süd (Karl) zerlegten, so haben sie auch ihre Grabplätze entsprechend ausgewählt: Theo Albrecht bekam den Norden, Karl den Süden.

Vor vier Jahren, als der jüngere Theo Albrecht im Alter von 88 Jahren starb, gab es weder eine Prozession noch eine aufwendige Trauerfeier – nur eine kleine Gesellschaft von 30 Gästen nahm Abschied. Selbst einen Redner sparte man sich. Typisch.

"Der am längsten amtierende Reichste eines Landes"

Karl Albrecht hat sich in seinem Leben schließlich auch so einiges gespart. Nur einen öffentlichen Auftritt hat es von ihm als Firmenchef gegeben: 1953, als das Geschäft der Brüder seit sieben Jahre bestand, bläute der Firmenchef seiner Belegschaft eine Botschaft ein: Sparsamkeit, Sparsamkeit, Sparsamkeit. Damit wurde das Unternehmen groß und größer und Albrechts eigenes Vermögen auch. Es katapultierte ihn auf die Liste der reichsten Menschen der Welt, wo er mit einem geschätzten Gesamtvermögen von rund 18 Milliarden Euro (rund 25 Milliarden Dollar) zuletzt auf Platz 23 stand. Er war der reichste Mann Deutschlands. Und er verharrte so lange auf diesem Platz, dass Zeitungen ihm irgendwann gar den Titel "der am längsten amtierende Reichste eines Landes" verliehen.

Von Glamour keine Spur. Etliche Lokalzeitungen und Paparazzi versuchten sich vergeblich darin, die beiden Brüder vor Kameras oder Mikrofone zu bekommen. Doch bis zuletzt wusste Deutschland nicht einmal verlässlich, wo sie wohnten, geschweige denn wie. Unauffällig muss es auf jeden Fall gewesen sein. In Essen soll Karl gelebt haben. Vielleicht auch in Köln oder der Schweiz. Sämtliche Versuche, das näher mit Hubschraubern oder Detektiven zu eruieren, scheiterten.

Der völlige Rückzug in die Privatheit war die Folge einer Entführung, der Theo Albrecht 1971 zum Opfer fiel. Ein verschuldeter Rechtsanwalt hatte ihn 17 Tage in einem Büroraum festgehalten und sieben Millionen Mark Lösegeld erpresst. Angeblich war das nur so wenig, weil Theo Albrecht, immerhin selbst entführt, hartnäckig über die Höhe der Ablöse verhandelt hatte.