Es ist ein besonderer Einblick, der uns gewährt wurde. Rund 650 Leser von ZEIT und ZEIT ONLINE haben unseren Fragebogen ausgefüllt und uns über ihre Erfahrungen mit Pflegeheimen in Deutschland berichtet. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer gab an, einen pflegebedürftigen Angehörigen zu haben. Die Restlichen waren vor allem Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen. 

Sogar 25 Heimleiter machten mit. Dazu gab es dutzende Leserbriefe und E-Mails, die uns direkt erreicht haben – herzlichen Dank dafür! Die teilweise sehr intimen Schilderungen zeigen uns: Wie wir die Pflege unserer alten Mitmenschen organisieren, bewegt unsere Leser.


Natürlich sind die Eindrücke und Erlebnisse nicht repräsentativ. Trotzdem lassen sich einige Trends ableiten: Auffällig ist etwa, wie sehr sich die offizielle Bewertung von Heimen durch den Pflege-TÜV und die Eindrücke unserer Leser unterscheiden. Jedes dritte Pflegeheim schneidet im offiziellen Ranking mit der Bestnote 1,0 ab. Der Notendurchschnitt aller Pflegeheime in Deutschland liegt bei 1,2.  

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Unsere Leser haben einen anderen Eindruck: Im Schnitt bewerten sie die Heime mit einer 2,8. Die Pflege und medizinische Versorgung in Heimen bewerten unsere Leser mit einer 2,9. Nur selten wurden jedoch Vieren oder Fünfen vergeben. Auffällig sind die Ergebnisse für den Umgang mit Demenzkranken, hier zeigt sich eine größere Unzufriedenheit in den Pflegestufen II und III als in der Pflegestufe I. Im Schnitt vergeben die Teilnehmer nur ein Befriedigend für den Umgang mit Demenzkranken – die schlechteste Note im Vergleich zu anderen Aspekten.    

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Der offizielle Pflege-TÜV legt vor allem Wert auf die Pflege und die medizinische Versorgung der Heimbewohner. 35 Kriterien fragt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ab. Um den sozialen Umgang zu bewerten, stellt der MDK dagegen nur zehn Fragen. Dabei sind gerade die sozialen Themen von großem Interesse für unsere Leser.

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Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer interessiert bei der Auswahl eines Pflegeheims in erster Linie der soziale Umgang mit den Bewohnern. Ähnlich wichtig sind die Angebote für Aktivitäten an die Heimbewohner. Die Kostenfrage landet dagegen auf dem letzten Platz – wohl auch, weil Teilnehmer in Umfragen zu sozialen Themen kaum zugeben wollen, in erster Linie aufs Geld zu achten. Im Schnitt leisten die Teilnehmer unserer Umfrage einen monatlichen Eigenanteil für die Pflege von 1.598 Euro – eine Untersuchung des Bremer Pflegewissenschaftlers Heinz Rothgang kommt zu vergleichbaren Zahlen. Wer besonders pflegebedürftig ist und Anspruch auf Pflegestufe III hat, zahlt den Daten unserer Leser zufolge sogar monatlich 1.752 Euro.

Teilweise haben die Teilnehmer uns ihre Verärgerung geschildert. Viele Leser berichten von einem eklatanten Personalmangel – vor allem nachts und am Wochenende. Er führe dazu, dass den Bewohnern lieber eine Windel angelegt werde, als zeitaufwändig den Toilettengang zu begleiten. Andere Leser erzählen, dass es Abendessen bereits um 17 Uhr gibt, um alle Bewohner noch rechtzeitig für die Nacht vorbereiten zu können. Ein weitere Vorwurf: Demenzkranken werde zwar ein Glas Wasser hingestellt, aber niemand achte darauf, ob sie es überhaupt ohne Hilfe austrinken könnten.   

Bei aller Kritik zeigen sich aber auch viele Angehörige begeistert von der guten Arbeit, die in den Pflegeheimen geleistet wird, und wollen ihre Wertschätzung mitteilen. Einige schreiben zu einem Pflegeheim: "Wenn ich alt bin, will auch dort untergebracht sein." Und für manche ist das Pflegeheim gar "ein zweites Zuhause" geworden.