Man hört in diesen Tagen eine gewisse Genugtuung heraus aus Analysen zur Lage in Argentinien und aus einigen Kommentaren in der Presse auch. Argentinien, das 2001 in die Staatspleite rutschte und danach einige Jahre lang pompös bis herablassend mit seinen Schuldnern umging, ist jetzt in die Knie gezwungen worden, so der Tenor. Bis Mitternacht in New York (6 Uhr morgens deutscher Zeit) werden die argentinische Regierung und einige Gläubigergruppen noch verhandeln. Wenn bis dahin keine Einigung steht, ist Zahltag. Es geht um rund 1,1 Milliarden Euro. Wenn Argentinien weiterhin die Zahlung der Schulden verweigert, droht dem Land ein sogenannter technischer Default, also eine Staatspleite, die keine ist, weil das Land genug Geld hat, aber nicht zahlen will.

Für die künftige Kreditwürdigkeit und damit die Wachstumsmöglichkeiten des Landes ist ein technischer Default eher nicht so gut. Verschiedene Varianten – Zahlen oder Verweigern, oder ein irgendwie gearteter Kompromiss mit Aufschüben oder Abschlägen – scheinen immer noch möglich.

Es nervt nur, wenn man jetzt diese markig vereinfachenden Kommentare liest: Schulden müssen beglichen werden! Da sieht man es wieder! Wo kommen wir sonst auch hin! Denn die argentinische Regierung, die ansonsten kein gutes wirtschaftspolitisches Händchen beweist, hat zuletzt ausgerechnet die Sache mit den Schulden sinnvoll angepackt. 2005 und 2010 hatte sie Umschuldungsprogramme aufgelegt und die Gläubiger auch bezahlt; gerade erst zahlte sie eine dreistellige Millionensumme an mehrere staatliche Schuldner zurück

Eine echte Staatspleite könnte folgen

Die sehr kleine Gläubigergruppe, die Argentinien jetzt erfolgreich auf 1,1 Milliarden Euro verklagt, ist eine Gruppe sogenannter Geierfonds, die sich genau auf solche Fälle spezialisieren: Sie kaufen notleidende Anleihen sehr billig auf, ziehen vor Gericht, um ihre Ansprüche durchzusetzen und streichen so in einigen Fällen über 1.000-prozentige Renditen ein. Und dass, obwohl mehr als 90 Prozent der Gläubiger längst einvernehmlich einer Umschuldung zugestimmt haben.

Noch schwieriger ist die Sache dadurch geworden, dass etliche Gläubiger, die bei einem Schuldenschnitt mitgemacht haben, dann auch noch eine Extrawurst vor Gericht beantragen könnten. Wie viele das wären, dazu gibt es Schätzungen von bis zu 120 Milliarden Euro, und in dem Fall könnte Argentinien noch eine "echte" Staatspleite drohen, weil einfach das Geld fehlt.

Wenn die Geierfonds nun Recht behalten, dient das auch nicht Moral und Anstand an den Finanzmärkten, wie man dazu vielfach hört, im Gegenteil. Dadurch würden die Bemühungen anderer verschuldeter Staaten torpediert, ihren Gläubigern einen Schuldenschnitt anzubieten: Die werden ja sowieso nicht alle mitmachen! Die Gläubiger wiederum werden weniger Interesse daran haben, einem solchen Schuldenschnitt zuzustimmen: Wer sich verweigert, bekommt am Ende doch einen besseren Deal!