Im Schuldenstreit zwischen Argentinien und US-Hedgefonds hat sich wenige Stunden nach dem Scheitern der Gespräche auch das letzte Zeitfenster für eine Verhandlungslösung geschlossen. Die Frist lief in New York um Mitternacht, also sechs Uhr MESZ aus. Damit steuert die zweitgrößte südamerikanische Volkswirtschaft nach 13 Jahren erneut in die Staatspleite.

Die Verhandlungen mit den US-Finanzkonzernen über 1,5 Milliarden Dollar unbezahlter Schulden waren zuvor ohne Einigung zu Ende gegangen. Die US-Hedgefonds hätten ein Angebot Argentiniens abgelehnt, teilte Wirtschaftsminister Axel Kicillof am Mittwochabend in New York mit. "Sie wollen mehr Geld, und sie wollen es jetzt." 

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hatte bereits vor Fristablauf die Kreditwürdigkeit Argentiniens auf das Niveau eines "teilweisen Zahlungsausfalls (Selective Default)" zurückgestuft. Es wird erwartet, dass auch die Agenturen Fitch und Moody's dem Schritt folgen und das südamerikanische Land auf Default setzen wird. Allerdings handelt es sich dabei eher um eine technische Einstufung, die aber den Zugang Argentiniens zu den Kapitalmärkten erschweren dürfte. Die Auswirkungen auf das öffentliche Leben in dem Land werden zunächst als begrenzt eingeschätzt.

Kicillof wehrte sich gegen diese Einstufung: "Das ist kein Default. Default ist, wenn einer nicht bezahlt. Und Argentinien hat gezahlt." Argentinien werde weiter seine Schulden zahlen, betonte er. Aber sein Land werde keine ungerechten Verpflichtungen eingehen, die die Zukunft des Landes sowie dessen Bürger gefährdeten und den milliardenschweren Schuldenschnitt-Vereinbarungen aus 2005 und 2010 mit der Mehrheit der Gläubiger in Gefahr brächten.  

Banken helfen Argentinien vermutlich nicht aus

Der Hedgefonds NML Capital und andere Gläubiger fordern von Argentinien die volle Rückzahlung samt Zinsen aus einst günstig gekauften Anleihen. Nach der ersten Staatspleite 2001 hatte sich das südamerikanische Land mit anderen Gläubigern darauf geeinigt, alte, lukrative Staatsanleihen gegen geringer dotierte zu tauschen. NML Capital und einige andere Gläubiger ließen sich darauf aber nicht ein und beharrten auf ihren höheren Renditen.

Auch ein Plan von Banken zur Abwehr der drohenden Staatspleite ist einem Insider zufolge gescheitert. Das Hilfsangebot eines Konsortiums aus Finanzhäusern komme nicht zustande, sagte ein hochrangiger Bankvertreter. Die Geldhäuser wollten die Schulden des südamerikanischen Landes bei den klagenden Hedgefonds übernehmen.

Argentinien weigerte sich lange, mit den Gläubigern zu verhandeln, nahm aber dann Anfang Juli Schlichtungsgespräche auf. Die relativ geringe Summe ist deshalb von so großer Bedeutung, weil davon die Bedienung anderer Staatsschulden abhängt.